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Senftenberg - Ergebnisse eines studentischen Entwurfsstudios
Inmitten des Lausitzer Seenlandes liegt im Südosten
Brandenburgs die 30.000 Einwohner zählende Kreis- und Hochschulstadt
Senftenberg. Mit dem Senftenberger See verfügt die Stadt über den
bislang größten der künstlich angelegten Seen Europas. Der 1.300 Hektar
große See ist ein gelungenes Beispiel für die Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften.
1973 wurde mit der Übergabe des ersten Strandabschnittes der Grundstein
für die Urlauberregion Senftenberger See gelegt. Jedoch wird der Senftenberger See von der Stadt aus
nicht wahrgenommen. Er ist nur über Umwege zu erreichen. Sichtbeziehungen
zwischen See und Stadt gibt es nicht. Um eine Annäherung der Stadt an den See herzustellen
und damit die Attraktivität der Urlauberregion zu erhöhen, nahm sich
das REKULA Studio 3 dieser Thematik an. Die Stadt Senftenberg hat, wie alle Städte in der
Region, die Folgen des wirtschaftlichen Umbruchs zu bewältigen. Die
Internationale Bauausstellung IBA Fürst-Pückler-Land in der Lausitz
nahm sich der Stadt mit ihrem See in einem ihrer Themenfelder an.
Ein sechstägiges Studio, ein Entwurfsverfahren der IBA-Fürst-Pückler-Land,
fand im Rahmen des Forschungsvorhabens REKULA statt. REKULA (Restrukturierung von Kulturlandschaften)
ist ein Projekt des Programms INTERREG III B (CADSES) der EU und fördert
die ökonomische, soziokulturelle und territoriale Zusammenarbeit der
Regionen Lausitz, Venetien
und Oberschlesien. In fünf Work Packages werden von 2003
bis 2005 Aspekte für den Umgang mit diesen Regionen wie Methodik,
Städtebau, Umwelt und Ökonomie bearbeitet. Die IBA Fürst-Pückler-Land
ist Lead Partner des REKULA-Projektes. Sie trägt gegenüber
der EU die finanzielle und inhaltliche Verantwortung für das Gesamtprojekt.
Partner sind in Italien die Regionen Venetien und die Fondazione Benetton
(FBSR) sowie in Polen die Stadt Zabrze und die Hochschule Politechnika
Slaska Gliwice. Work Package 3 (WP 3) beschäftigt sich mit der Veränderung
von Siedlungsräumen. Ziel ist es, Modelle zur Inwertsetzung von industriell
überformten Landschaften durch die Restrukturierung von Siedlungsbeständen
sowie neue, innovative Siedlungsformen zu erarbeiten. WP 3 arbeitet
sowohl am Beispiel der Borsig-Siedlung im polnischen Zabrze als auch
an verschiedenen Siedlungstypen in der Lausitz. Hier wird unter dem
Thema Fläche trifft Dichte das Phänomen der Schrumpfung
und des Stadtumbaus diskutiert. Nach einem Startsymposium 2003 wurden
in drei thematischen Planungsstudios zwischen 2003 und 2005 verschiedene
Pilotprojekte untersucht. Studio 1 (2003) widmete sich in Cottbus
dem Thema Restrukturierung von Siedlungsbeständen Stadtplanung,
Architektur und Landschaftsarchitektur. Im Jahr 2004 fand unter
dem Thema Soziologie und Umwelt das Studio 2 in Lauchhammer
statt. Das Studio 3 beleuchtete im Mai/Juni 2005 die Aspekte
Prozesssteuerung und Management an der Schnittstelle zwischen
Stadt und See in Senftenberg. Der Themenkomplex wurde am Beispiel
des IBA-Projekts SeeStadt Senftenberg untersucht und experimentell
erprobt. Ziel war es, durch das Studio ein mit einer Vielzahl an Ideen
angereichertes strategisches Konzept für den Projektraum ein
vorstädtisches Plattenbauwohngebiet am Senftenberger See zu
erarbeiten. Dieses Konzept soll einen dynamischen Prozess zur Umsetzung
des Projekts bis 2010 und darüber hinaus unterstützen. Luftaufnahme
des Projektgebietes in Senftenberg mit dem das Stadtbild prägenden
11-Geschosser. Foto: Sandra Kalcher Im Zusammenhang mit dem laufenden Stadtumbau brachte
die Stadt Senftenberg das Projekt 2004 in den europäischen Planungswettbewerb
EUROPAN ein. Das Wettbewerbsgebiet umfasst das Wohngebiet der Bergbausiedlung,
das unmittelbar an den Senftenberger See angrenzt. Die in den 1970iger
Jahren errichteten Plattenbauten verstellen von der Altstadt kommend
den Blick zum See. Ziel des EUROPAN-Wettbewerbes war es, durch Rückbau
die naturräumlichen Qualitäten hervorzuheben und neue Sicht- und Wegebeziehungen
zu schaffen. Aus den beiden Siegerentwürfen des EUROPAN 7 Wettbewerbs
wurde in einem nachbereitenden Workshop von der Stadt Senftenberg,
der IBA und dem ausgezeichneten Architektenteam eine gemeinsame Idee
entwickelt. Das entstandene Phasenmodell beschreibt die Heranführung
des Sees an den Flussbereich der Schwarzen Elster. In einer späteren
Phase soll der See durch den Bau eines Hafenbeckens inmitten der heutigen Plattenbausiedlung
noch weiter an die Altstadt herangeführt werden. Dieser Entwurf
bildete die Planungsgrundlage für das REKULA-Studio 3. Ende Mai/Anfang Juni 2005 entwickelten Stadtplanungs-
und Architekturstudenten aus Deutschland, Polen und Spanien ein Konzept
für die künftige Gestaltung des Tors zum Senftenberger See
und die Schaffung einer stärkeren Verbindung der historischen Altstadt
mit dem Senftenberger See. Zwischen den beiden Polen verläuft der
188 km lange Fluss Schwarze Elster, der den direkten Zugang zum See
verhindert. Den Studierenden ging es sowohl um die Stärkung des Seeufers
als einziges urbanes Ufer des entstehenden Lausitzer Seenlandes,
als auch um den Abbau von physischen und psychischen Barrieren zwischen
Altstadt und See. Der Stadtumbau wurde als Antrieb für die Umstrukturierung
des Quartiers und der angrenzenden Freiräume verstanden. Die Workshopteilnehmer
griffen die vorhandenen Konzepte und Aktivitäten (Soziale Stadt, Stadtumbau
Ost) auf und ergänzten sie. Teil des Studios war die Beteilung an
der Veranstaltung Stadt(umbau) trifft See am 4. Juni 2005.
Im Rahmen einer Entdeckungstour wurden Installationen entlang eines
Pfades durch die Stadt bis zum See präsentiert. Die Ergebnisse des Studios gliedern sich in drei
verschiedene Abschnitte in einen Phasenplan, ein Planspiel
und in die Interventionen im Rahmen der Stadtentdeckungstour. Der von den Studioteilnehmern entwickelte Phasenplan
sieht entgegen des EUROPAN-Entwurfs mit seiner starken Geste
des ins Projektgebiet hineinragenden Hafenbeckens eine behutsamere
Annäherung der Stadt an den See vor. Bereits die erste Phase des Entwurfs
betont durch das Anlegen eines Stichkanals die Verbindung von Altstadt
und See. Die mögliche Entwicklung des Stadtgebietes berücksichtigt
den zeitnahen Rückbau eines 11-Geschossers, der im Moment das Stadtteilbild
beherrscht. Jede Entwurfszwischenstufe sieht ein städtebauliches
Ergebnis vor, das auch als Endzustand akzeptiert werden könnte. Der
Studioentwurf bietet mit kleinen Hafenbecken entlang des Stichkanals
unter Aspekten der Nutzung und Vermarktung der Wasserlagen größere
Vorteile. Zeichnung des
Stadteingangs Die Altstadt Senftenbergs soll das Tor
zum Senftenberger See werden. Quelle: David Cardenas Lorenzo In einem Planspiel werden die Komplexität von Planungsentscheidungen
und der Bezug zwischen Raum und verschiedenen Akteuren kommuniziert.
Jedem Spieler wird eine Rolle zugewiesen. In einem Aushandlungsprozess
lassen sich die verschiedenen Interessen der Akteure (Stadt, Bürger,
Wohnungsbaugesellschaft, Investoren etc.) nachvollziehen und hinsichtlich
eines gemeinsamen Zieles zusammenführen. Ereigniskarten, die unterschiedliche
fördernde oder hemmende Einflüsse auf die Rahmenbedingungen der Stadtentwicklung
aufzeigen, beeinflussen die Situation des Spiels. Zwischen der Stadt und dem See erfolgte im Rahmen
der Entdeckungstour Stadt(umbau) trifft See die Inszenierung
eines Weges. Er führte vom Senftenberger Bahnhof, entlang der Einfahrtsstraße,
durch die historische Altstadt, weiter entlang der Bergbaustraße
dem Projektgebiet des Studios über den Fluss bis zum Strandufer
und hinein ins Wasser des Senftenberger Sees. Dieser Weg wurde im
Schrittmaß einzelner Etappen durch Spannungspunkte gekennzeichnet.
Markierungen in Form von aufgestellten Installationen wiesen auf die
Beziehung zwischen Stadt und See hin. Beispielsweise diente das Dach
des Parkhauses, welches sich genau im Knickpunkt der Straßenachse
zwischen Altstadt und Bergbausiedlung befindet, als Aussichtsplattform.
Mit einem speziellen Fernrohr wird ein gleichzeitiger Blick auf Stadt
und See realisiert und damit die enge Beziehung dieser beiden Bereiche
veranschaulicht. Das Studio 3 führte nach einer einwöchigen Werkstattphase
zu interessanten neuen Ideen und Ansätzen. Die intensive Auseinandersetzung
mit dem Stadtumbau in Senftenberg, das kritische Hinterfragen des
EUROPAN-Entwurfes und die Sichtweise, den Distanzraum zwischen Stadt
und See als Chance zu betrachten, führten zu drei interessanten Ergebnissen,
die gegenwärtig und auch zukünftig in die Planungen der Stadt einfließen.
Die Erfahrungen vor Ort haben gezeigt, dass seitens
der Bürger ein großes Interesse für den Planungsprozess besteht. Das
Einbeziehen der Einwohner in das Stadtplanungsgeschehen sollte Bestandteil
des Stadtumbaus sein. So kann beispielsweise mit Hilfe des Planspiels
den Anwohnern vermittelt werden, wie umfassend Planungsentscheidungen
sind und welche Akteursinteressen korrelieren. Die Arbeit direkt vor Ort im 11-Geschosser, in enger
Kooperation mit den Akteuren und Bürgern der Stadt, hat sich positiv
auf das Schaffen realisierbarer Ergebnisse ausgewirkt. Für die Umsetzung
der Ergebnisse ist auch zukünftig ein Engagement aller städtischen
Akteure erstrebenswert. |
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ein Dokument der Seite www.schrumpfende-stadt.de Erstelldatum: 30. Januar 2006 Autor: Sandra Kalcher, Katrin Schamun |