Testfall für den Epochenwandel - der "Stadtumbau Ost" beseitigt Wohnungen, ohne nach dem Kern des Problems zu fragen

Zuerst Guben, dann Eisenhüttenstadt, danach Schwedt – in großer Aufmachung gingen die ersten zu Schutt zerschlagenen Plattenbauten durch die Medien. Inzwischen ist der Abbruch eines Sechs- oder Elfgeschossers keine Thema für Redaktionen mehr. Ob in Lauchhammer, Chemnitz, Weißwasser, Halberstadt, Stendal, Leinefelde, Güstrow oder Eggesin – in immer mehr Städten Ostdeutschlands gehören Abrissbagger heute zum Alltag, wie es früher die Baustellenkräne taten. Nur dürre Zahlen der Statistik haben noch Nachrichtenwert: „21 Millionen Euro in Rückbau investiert!“ meldete stolz im Dezember 2003 das Bundesbauministerium, denn das bedeutete 12.500 Wohnungen „weg vom Markt“. Bedeutet es aber auch tatsächlich eine „Investition“?

Nach Jahren der Verzögerung sind jetzt die Macher am Zug. Unter dem euphemistischen Schlagwort „Stadtumbau Ost“ werden zweieinhalb Milliarden Euro in einen weithin  unbekannten und, was mögliche Auswirkungen betrifft, noch völlig unübersichtlichen Prozess gepumpt. Kaum dämmerte die Brisanz der Phänomene, wurde auf die unerwartete Dynamik des Geschehens mit ebenso abruptem Handlungseifer reagiert: „Abriss jetzt!“[1], proklamierten langgediente Politikberater, die zuvor den zügellosen Bauboom in den Beitrittsländern herbeigeredet hatten, und trieben gemeinsam mit den um ihre Kredite zitternden Banken einen Aktionismus voran, der für Zweifel und alternative Denkansätze nicht mehr erreichbar war. Um gefährdete Wohnungsunternehmen vor dem Zusammenbruch zu bewahren, wurden und werden noch weit größere Risiken in Kauf genommen: Der Mehrzahl der infrage kommenden Städte geht der „Umbau“ an die Kernsubstanz, manchen regelrecht an die Existenz.

Anderthalb Millionen nicht mehr benötigte Wohnungen zwingen nicht nur zur Inventur sämtlicher Wohnungsbestände, sondern zum Umdenken in jederlei Hinsicht. Erstmals in der Geschichte deutscher Wohnungspolitik wird mit Steuergeldern eine massenhafte Vernichtung von Wohnraum betrieben. Denk- und Planungsfehler, die jetzt unterlaufen, werden später nicht mehr zu korrigieren sein. Um so bedenklicher, wenn die notwendigen Erfahrungen auf einem Terrain gesammelt werden, von dem die Akteure nur flüchtige Kenntnis besitzen. Und so braut sich ein zentrales Problem zusammen: Dass die weitreichenden und vielgesichtigen Symptome der Schrumpfung mit solcher Vehemenz zuerst in den Nachfolgeländern der DDR auftraten, scheint ihre Analyse zu erschweren. Von der theoretischen Begrifflichkeit bis zum rechtlichen Instrumentarium völlig unvorbereitet, droht die von den Erfahrungen des „alten Westen“ geprägte Expertengemeinde schon auf ihr nächstes Waterloo zuzusteuern.

Ursachenvermutung

Große Verwirrung herrscht allgemein immer noch bei der Frage nach den Ursachen der Schrumpfung. Unter Experten ist die Ansicht verbreitet, dass wir es mit einer Überlagerung verschiedener Wandlungsphänomene zu tun haben: Suburbanisierung, technologische Modernisierung und ökonomische Globalisierung. Jedes dieser Phänomene für sich genommen ließe sich in vergleichbarer Form an verschiedenen Orten Europas oder gar der Welt nachweisen; ihr Zusammentreffen und die sich daraus aufschaukelnde Wirkungswucht machten die historisch beispiellose Sondersituation in Ostdeutschland aus. Hier habe mit den Folgen der deutschen Vereinigung die Städteschrumpfung eine Dimension und ein Tempo erreicht, das in keinem der bisher bekannten Fällen jemals zu beobachten war.

Über die Stichhaltigkeit dieser Interpretation, in der ein deutliches Potenzial zur Abwiegelung steckt, soll hier nicht befunden werden. Wichtiger, weil am Ende einzig produktiv wäre allerdings die genau gegenläufige Herangehensweise: Man sollte die konkreten Vorgänge, so „einmalig“ sie auch erscheinen mögen, auf jene Tendenzen untersuchen, die verallgemeinerbar sind. Denn dass hier einige Entwicklungspfade einer spätkapitalistischen Gesellschaft auf härtestem Globalisierungskurs geradewegs in die Krise steuern, sollte zu Wachsamkeit auch in den (noch) nicht betroffenen Regionen anstiften. Nicht umsonst empfiehlt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, „aus den Erfahrungen Ostdeutschlands und des Mezzogiorno zu lernen“[2], um einer Ausbreitung der dortigen Missstände rechtzeitig vorzubeugen. Und allein schon das Wort Mezzogiorno hat es, in Anwendung auf das Beitrittsgebiet, in nicht einmal drei Jahren von der geflüsterten Warnung zum politisch korrekten Begriff im Alltag der politischen Debatten gebracht.[3]

Um das Nachdenken über Schrumpfung aus der Falle der vermeintlichen Besonderheit „Ostdeutschland“ zu befreien, sollen nachfolgend einige Ursachenvermutungen, die speziell den DDR-Hintergrund der betreffenden Fragen betonen, etwas genauer betrachtet werden. (siehe Beitrag Hoscislawski)

„Plattenfrust“

Erste Vermutungen zu den stetig anwachsenden Leerstandszahlen hatten sich von einem Klischee leiten lassen, welches Flucht aus der „Platte“ lautete. Dass allerdings die jetzige Krise kein spezifisches Phänomen ehemaliger DDR-Großsiedlungsgebiete ist, lässt sich an vielen signifikant betroffenen Orten wie Leipzig, Halle, Brandenburg a. d. Havel, Güstrow, Görlitz und vielen anderen Orten zeigen, in denen es vorrangig die Alt- und Innenstädte sind, die Sorgen bereiten. Die Altstadt von Halle etwa übertraf mit stabilen 30 Prozent Leerstand lange Zeit deutlich die entsprechenden Werte von Halle-Neustadt, die Güstrower Innenstadt meldete sogar 43 Prozent. In geradezu grotesker Weise wurden die gängigen Vorurteile in Görlitz widerlegt, dessen besonders wertvolle Bestände aus der Renaissance und der Gründerzeit nach aufwändiger Sanierung zeitweise bis zu 48 Prozent leer standen, während die am nördlichen Stadtrand gelegene Plattensiedlung Königshufen zur selben Zeit mit nur sieben Prozent vergleichsweise ideal ausgelastet war.[4]

Redlichkeit gebietet hierzu folgende Anmerkung: Die scheinbare „Beliebtheit“ der Plattenbaugebiete erweist sich leider als ziemlich eindimensionale Begeisterung. Es sind die schon lange dort Lebenden, die gerne bleiben wollen. Bereits die Nachwachsenden fühlen sich emotional längst nicht so gebunden; sie flüchten zwar nicht zwangsläufig, aber sind doch leichter mit Alternativen zum Wechsel zu motivieren (und ohnehin stellen Jüngere das Hauptkontingent der „Auswanderer“, sobald Arbeit nur anderswo zu haben ist). Von außen kommt so gut wie keiner mehr hinzu – es sei denn unfreiwillig, indem er als „Sozialfall“ dort eingewiesen wird. Überalterung macht sich in den meisten dieser Gebiete bereits bemerkbar. Auf längere, aber heute schon berechenbare Sicht wird diese wohl das Ende der Stadterweiterungen aus DDR-Zeit besiegeln: Solange das vorherrschende urbanistische Leitbild alle Kräfte für Stabilisierung und Erhalt der historischen Innenstadtbereiche mobilisiert, werden die peripher gelegenen Siedlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nach und nach aussterben.

Somit bewegen sich Planungsentscheidungen in einem echtem Dilemma: Obwohl vielerorts Altbauten stärker von Leerstand betroffen sind, Montagebauten eine deutlich längere Restnutzungsdauer (bis zu 80 Jahren) aufweisen und man mit letzteren – je nach dem, ob saniert oder unsaniert – Leerstände von 40 bis 60 Prozent eine gewisse Zeit lang „aushalten“ kann, konzentrieren sich Abrissplanungen heute nahezu ausschließlich auf die „Platte“. Hier spielen Eigentumsstrukturen und andere Faktoren eine Rolle, deren ausführliche und kritische Analyse bislang tunlichst umgangen wird.[5]

Stadtflucht

In der Tat schafften sich viele Städter nach dem Ende der restriktiven Baulandpolitik der DDR in den ab 1990 rasch zur Zersiedlung freigegebenen Umländern ein Eigenheim an. Doch dieser immer wieder gern zur Erklärung bemühte „Nachholbedarf“ war ganz wesentlich auch von Subventionen stimuliert. Nach Einstellung der exorbitant hohen steuerlichen Sonderabschreibungen Ost (und erst recht nach Drosselung der Eigenheimzulage) knickten die vorübergehend steilen Zuwachskurven im Häuslebau schnell wieder ab. Aktuelle Zahlen geben eine deutlich entspanntere Situation wieder: Nur noch 17 Prozent der Einwohnerverluste etwa des bereits auf Mittelstadt-Format geschrumpften Schwerin lassen sich auf Umlandwanderungen zurückführen; 33 Prozent dagegen werden dem Geburtendefizit zugeschrieben, 50 Prozent der „Fernwanderung“ in den Westen.[6] Vom Berliner Umland einmal abgesehen, dürfte der Massenbedarf an peripheren Wohnlagen also weit über alle Nachfrage hinaus gedeckt sein, größere Städte melden sogar wieder Rückkehrer aus dem Umland. Trotzdem gehen die Bewohnerzahlen ungehemmt weiter zurück und beginnen schon in manchem Wohnpark und mancher Eigenheimsiedlung vor den Toren der Städte für Leerstandsprobleme zu sorgen. [7]

Demografische Falle

Eine dritte Vermutung lautet: Die Deutschen sterben aus. Doch die ganze Wahrheit an diesem Alarmruf wäre erst einmal: Nicht nur die Deutschen! Spätestens ab 2015 werden sämtliche Bevölkerungen Europas schrumpfen. Mit vier Millionen erreichte die Zahl aller Geburten innerhalb der Europäischen Union im Jahr 2002 den tiefsten Stand seit dem II. Weltkrieg. In der Skala der EU-Geburtenraten belegt Deutschland allerdings mit 8,8 Prozent (Zahl der Geburten pro Tausend Einwohner) den letzten Platz.

Deshalb geben die einschlägigen Daten natürlich Anlass zu Nachdenklichkeit, wenn nicht gar zur Sorge. Ohne Zuwanderung wird die deutsche Bevölkerung von derzeit etwa 82 Millionen bis zum Jahr 2050 auf etwa 50 bis 60 Millionen abnehmen. Auf diesen Prozess ist jetzt bereits kein nennenswerter Einfluss mehr zu nehmen. Warum sich nun aber speziell die ostdeutschen Städte so katastrophal entleeren, lässt sich mit dem allgemeinen Bevölkerungsrückgang kaum sinnvoll begründen, denn nicht einmal der historisch beispiellose Geburtenknick in der Ex-DDR nach der Vereinigung spielt bei den bisherigen Extrapolationen eine Rolle. Dieser, der eigentlich demografische Entvölkerungsschub, macht sich in seinen potenzierenden Wirkungen erst über ein bis zwei Generationsfolgen bemerkbar. Das heißt, der kommt überhaupt erst noch auf uns zu – weil Kinder, die um 1990 herum nicht geboren wurden, schlicht ab 2015 keine Familien gründen können.

Mit dem gesamteuropäischen Bevölkerungsschwund werden, eher früher als später, auch die alten Bundesländer konfrontiert. Dann werden auch jene Landstriche auf Schrumpfungsfolgen reagieren müssen, die bislang als Inseln ökonomischer Prosperität die aus den östlichen Problemregionen Davonlaufenden anlocken und so, auf dem Wege umfangreicher Binnenwanderung, ihr Arbeitskräftedefizit ausgleichen können.

Sichere Anzeichen, dass auch der Westen nicht ungeschoren davonkommt, haben die in dieser Frage besonders sensiblen Banken schon registriert. Im Herbst 2002 erschien im Wirtschaftsmagazin der NordLB eine Bevölkerungsprognose für Niedersachsen, der zufolge vor allem die Landkreise westlich des Harzes – Göttingen, Northeim, Osterode, Goslar, Holzminden, Salzgitter – und weiter nordwärts über Helmstedt und Wolfsburg bis Lüchow-Dannenberg mangels Einwohnern mit drastischen Wertminderungen im Immobiliensektor rechnen müssen.[8] Der Blick des Bundesbauministers reicht natürlich noch weiter als nur ins ehemalige „Zonenrandgebiet“: Selb, Albstadt, Völklingen, Pirmasens, Oer-Erkenschwick, Salzgitter, Wilhelmshaven, Lübeck, Bremen und Bremerhaven heißen die Pilotstädte für den „Stadtumbau West“. Die Liste reicht vom hohen Norden bis weit in den Südwesten, vom ausgemusterten Marinehafen über ehemalige Zentren der Stahl-, Schuh- oder Porzellanproduktion bis zur stolzen Landeshauptstadt. Es sind Standorte, die weniger von demografischer als von einer anderen Auszehrung betroffen sind: von massenhaftem Arbeitsplatzverlust.

Ökonomischer Hintergrund – der Epochenwandel

Wahrscheinlich wird man erst an diesen Orten im „unverdächtigen“ Westen dem Problem der derzeitigen Städteschrumpfung in seiner ganzen, epochalen Bedeutung auf den Grund kommen. Die unschwer als „vorübergehend“ prognostizierbare Ost-West-Binnenwanderung hindert nachhaltig daran, die ostdeutsche Krise als allgemeines Transformationsmuster zu erkennen, das uns mehr als nur die Probleme einer von historischen Verwerfungen erschütterten Sonderregion signalisiert. Zu den veränderten demografischen Bedingungen gesellen sich nämlich die viel einschneidenderen Faktoren des ökonomischen Wandels. Noch vor dem Wohnungsleerstand stellt die seit über zehn Jahren unverändert gravierende Arbeitslosigkeit den eigentlichen Alarmzustand ostdeutscher Lebensverhältnisse dar.

Wenn beinahe jeder fünfte Erwerbsfähige ohne Arbeit ist und inzwischen bald landesweit jede fünfte Wohnung ohne Mieter bleibt – warum wird da nach Zusammenhängen so selten gefragt? Drängt es sich denn nicht förmlich auf, von den unübersehbaren Veränderungen im Bild der Städte auf einen tief greifenden Wandel der Gesellschaft zu schließen? Warum fällt es so schwer anzuerkennen, dass Bevölkerungsbewegungen solchen Ausmaßes nicht nur Folge, sondern Teil radikaler ökonomischer Anpassungsprozesse sind? Und wie lange soll der blinde Trost vorhalten, bei jener Anpassung handele es sich lediglich um eine „nachholende Modernisierung“ des Ostens, also um einen Prozess, der früher oder später von allein den sicheren Hafen der Normalität erreicht? Was an jener erwarteten „Normalität“ ist eigentlich noch normal?

Es war die beispiellose Heftigkeit, die aufschrecken ließ – Einwohnerverluste bis zu einem Drittel innerhalb von zehn bis zwölf Jahren, Klein- und Großstädte genauso betroffen wie Landgemeinden, ein Abflachen der Abwanderungskurven nirgendwo in Sicht. Doch ein historisches Vorgängerbeispiel für derart radikale Prozesse der Stadtumformung (wenn auch entgegengesetzter Richtung) liegt noch gar nicht allzu lange zurück: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die industrielle Revolution wahre Völkerwanderungen auf die Suche nach Arbeit kreuz und quer durch Europa geschickt. Zwischen der Erfindung der Eisenbahn und dem Vorabend des I. Weltkriegs hatte sich nicht nur die politische Landkarte unseres Kontinents komplett verändert, auch die Alltagsgeografie jener Zeitgenossen war bis zur Unkenntlichkeit umgestülpt worden. Die bis dahin herrschende Dominanz ländlicher Lebensweisen wurde von Leitbildern städtischer Kultur immer weiter zurück gedrängt. Um das neu entstehende Proletariat zu behausen, wurde das gesamte existierende Siedlungsgefüge in einem brutalen Prozess aus seiner feudalzeitlichen Beschränktheit gerissen und der neuen Produktions- und Konsumwelt angepasst. Alte Residenzen und behäbige Bürgerstädte verwandelten sich in laute, schmutzige, aber begehrte Metropolen der Fabrikarbeit. Rückständige und verschlafene Dörfer begannen zu städtischen Agglomerationen auszuwuchern, beschauliche Flusstäler und sumpfige Niederungen füllten sich mit Schloten, Zechen, Montagehallen und Arbeiterwohnkasernen. Worüber allenthalben das Banner „Fortschritt“ wehte, war nichts weniger als ein Generalumbau sämtlicher Lebensverhältnisse – in Wucht und Wirkung allenfalls den gewaltigsten Katastrophen vergleichbar, die ganze Kontinente bis zur Unkenntlichkeit umgewühlt und neu aufgeschichtet hinterlassen.

Nach anderthalb Jahrhunderten unentwegten Technologiefortschritts haben, jedenfalls im altindustriell geprägten „Norden“ und „Westen“, die auf Industriearbeit zugerichteten Lebenswelten nun ihre Schuldigkeit getan. Wieso hoffen wir eigentlich, am Ausgang jenes Zeitalters glimpflicher davonzukommen? Wie rabiat mit neuerlichen Verwandlungen zu rechnen ist, dürfen jetzt ausgerechnet die Ostdeutschen, die sich bereits allen sozialen Großexperimenten glücklich entronnen glaubten, an ihrer alten Heimat erfahren. Der Auftrag lautet, die landesweite Deökonomisierung – jenes erst leichtfertig herbeigeführte, dann lauthals beklagte „Große Desaster“ – als eigentlichen Vorausblick in die Zukunft zu begreifen. Der Sprung in eine Marktwirtschaft, die für den weltweiten Wettbewerb gerade ihre sämtlichen national- und sozialstaatlichen Bindungen abstreift, hat den ehemaligen Industriestaat DDR zum Testgelände für eine Zukunft jenseits der herkömmlichen (Industrie-) Arbeit gemacht.

Doch Testen von was, Verwandlung wohin? Wie eine Welt jenseits von industriell geprägten Erwerbsstrukturen und traditionellen Arbeitsbiografien aussehen könnte, darüber gibt es noch wenig konkrete Vorstellungen, allenfalls vage Ideen. Eine Annahme allerdings darf mit Sicherheit getroffen werden: Diese Welt wird sich von unserer jetzigen erheblich unterscheiden. Der Wandel hat längst begonnen.

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Wolfgang Kil ist freiberuflicher Kritiker, Publizist und Autor in Berlin. Nach dem Architekturstudium in Weimar (1967-1972) war er von 1978-82 Redakteur einer Fachzeitschrift und von 1992-1994 Redakteur bei der BAUWELT. Ende Mai erscheint von Wolfgang Kil im Verlag Müller+Busmann, Wuppertal, die Streitschrift „Luxus der Leere – Vom schwierigen Rückzug aus der Wachstumswelt“. Die hier vorab veröffentlichte Textpassage stammt aus dem Eröffnungskapitel des Buches.



[1] Ulrich Pfeiffer (Empirica): Der Leerstandsschock. In: Stadtbauwelt 24/2001

[2] Norbert Walter: Migration in Europa. In: Polis, Wuppertal 2003, Nr.2, S. 17

[3] Vgl. u.a. die Titelgeschichte des Spiegel Nr. 15/2004

[4] Der Umgang mit Zahlen im hier gegebenen Zusammenhang ist extrem schwierig. Das liegt erstens an der längst unüberschaubaren Quellenlage, zweitens an der von niemandem erwarteten Dynamik der Prozesse, die jeden Planungs- und Publikationszyklus schon wieder überholt, kaum dass die Druckerschwärze trocken ist.

[5] Planungsdezernenten begründen die Preisgabe kommunaler Wohnungsbestände stets damit, dass sich zwei oder drei „Große“ leichter an einen Tisch und somit zu einem Abriss-Konsens bringen ließen als Hunderte oder gar Tausende von Einzelhausbesitzern. Defacto ergibt sich daraus allerdings eine horrende Dezimierung des öffentlich verfügbaren Wohnsegments zugunsten der Risikoeindämmung privater Eigentümer. Man kann das auch strukturellen Sozialabbau nennen.

[6] Vgl. Andreas Thiele: Stadtentwicklung in Schwerin... In: Heike Liebmann, Thomas Robischon (Hrsg.): Städtische Kreativität – Potenzial für den Stadtumbau. Erkner 2003, S. 73

[7] Vgl. Günter Herfert: Disurbanisierung und Reurbanisierung. Polarisierte Raumentwicklung in der ostdeutschen Schrumpfungslandschaft. In: Raumforschung und Raumordnung, Heft 5/6, 2002

[8] Vgl. „Wachsen oder Schrumpfen? Neue Bevölkerungsprognose für Niedersachen“ In: RegioVision, Newsletter der NordLB Regionalwirtschaft, Hannover Nr. 3/2002

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Dies ist ein Dokument der Seite www.schrumpfende-stadt.de
Erstelldatum: 03. Mai 2004
Autor: Wolfgang Kil