Altersselektivität und regionalpolitische Konsequenzen der Abwanderung aus Ostdeutschland

1. Einleitung

Seit 1990 setzten in Ostdeutschland weitreichende ökonomische und politische Strukturbrüche ein. Ostdeutschlands Bevölkerung sah sich zudem einem rapiden sozialen Umbruch gegenüber gestellt. Als Reaktion entstanden oder vertieften sich erhebliche sozioökonomische und demografische Disparitäten zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Bevölkerungsentwicklung trat hierbei nur zögerlich ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Neben dem Geburtenrückgang bestimmt aber die Altersselektivität der Wanderungen, in Intensität und Richtung unterschiedlich ausgeprägt, unmittelbar die sozioökonomische Entwicklung der ostdeutschen Regionen. Interregionale Wanderungen sind zudem in ihrer Altersselektivität ein sensibler Indikator für Disparitäten und vorherrschende Standortqualitäten.

Diese selektive Abwanderung entwickelt sich allmählich zu einem Hauptproblem der neuen Bundesländer. Problematisch ist, dass insbesondere gut ausgebildetes „Humankapital“ nach Westdeutschland abwandert. Dies hat Folgen für die Entwicklung und Zukunft einer Region. Im Verbund mit der natürlichen Bevölkerungsentwicklung wirken die selektiven Wanderungen auf mehreren Ebenen auf Staat und Gesellschaft, mit weitreichenden Folgen für Wirtschaft und Regionalentwicklung. Eine negative Wirtschaftsentwicklung und schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt verstärken wiederum Anreize zum Abwandern und setzen einen Teufelskreis in Gang. Viele ostdeutsche Regionen geraten so in eine ökonomische und demografische Krise, die den Aufholprozess stark erschwert. Die selektiven Wanderungen treten allerdings regional mit unterschiedlicher Intensität auf und haben unterschiedliche Entwicklungsperspektiven zur Folge. Angesichts seiner regionalpolitischen Bedeutung findet der Problemkreis „Schrumpfung und Regionalentwicklung“ verstärkt Einzug in Wissenschaft und Planung (Dick/Mäding 2002, Müller 2003, www.regionale-anpassung.de). Untersuchungen über den Wirkungskomplex zwischen (altersselektiven) Wanderungen und Regionalentwicklung sind gleichwohl noch selten.

Nachfolgend wird der regional-demografische Wandel in Ostdeutschland mit Schwerpunkt auf den altersselektiven Ost-West-Wanderungen untersucht[1]. Nach Beschreibung der wesentlichen demografischen Trends werden Phasen und regionale Typen der altersspezifischen Wanderungen beschrieben, und daran anschließend die regionalen Milieus bzw. Strukturtypen, die mit den jeweiligen altersspezifischen Mustern in Verbindung stehen. Schließlich wird erörtert, wie sich die Probleme, Chancen und Perspektiven der ostdeutschen Regionalentwicklung angesichts dieser Entwicklung darstellen.

2. Theoretisch-methodischer Hintergrund[2]

Der Erklärung altersselektiver Wanderungen kann man sich mit Hilfe von Theorien nähern, die das Konzept des Lebenszyklus zur Grundlage nehmen (Rossi 1955, Kemper 1985). Der Ansatz beschreibt den Einfluss der jeweiligen Lebenssituation auf (interregionale) Wanderungen. Letztere werden durch eher längerfristige Änderungen im Lebensverlauf ausgelöst und können als Reaktion auf disparitäre Lebensbedingungen verstanden werden (die wiederum von Wanderungen beeinflusst werden können). Es wird gewandert, wenn in der Zielregion ein höheres "Befriedigungsniveau" zu erwarten ist, das zum einen abhängig ist von der Stellung im Lebenszyklus, zum anderen von der Bewertung der regionalen Lebensbedingungen nach den jeweiligen altersspezifischen "Anspruchsniveaus" (Bogue/Hagood 1972). Für die weitere Analyse wurden daher funktionale Altersgruppen definiert und verwendet, die zwar eine Aggregation der Daten bedeuten, aber die unterschiedlichen Wanderungsmotive trotzdem anschaulich abbilden (vgl. Gatzweiler 1975):

  • Die 18-30-Jährigen sind aufgrund ihres Eintritts in den Bildungssektor/Arbeitsmarkt sehr mobil und ziehen insbesondere in die Kernstädte aufgrund der räumlichen Nähe zum Arbeitsplatz/Ausbildungssektor; häufige Wohnortwechsel sind üblich. Umgekehrt fungieren vor allem periphere Regionen als Abwanderungsgebiete. In den Altersstufen etwa ab 25 kommen Familien- und Haushaltsgründungen hinzu. In diesem Fall konzentrieren sich die Wanderungen eher auf das Umland der verdichteten Regionen (bildungs-, arbeitsplatz- und wohnungsorientiert).
  • Die 30-50 und unter 18-Jährigen befinden sich in den jüngeren Jahren (ca. 30-40) noch in der Familiengründungsphase; ihre Wanderungen charakterisieren sich hier durch die Suche nach Wohnungen oder -eigentum (meist im suburbanen Umland). Hierzu kann man auch die unter 18-Jährigen zählen, die meist als Kinder mitwandern, wobei sich dies besonders auf deren erste Lebensjahre konzentriert. In den höheren Altersgruppen ist die Familiengründung abgeschlossen, die Wanderungen stehen aber auch hier unter dem Eindruck des Erwerbs von Wohneigentum und des Sesshaftwerdens (wohnungs-, wohnumfeld- und arbeitsplatzorientiert).
  • Ab 50-Jährige: Die Häufigkeit von Wanderungen ist geringer als in den jüngeren Altersgruppen. Die ältere Bevölkerung richtet ihre Wanderungen verstärkt auf ländliche Räume (landschaftliche Attraktivität und Erholungs- und Freizeitwert). In den höheren Altersstufen kommt es zu Wanderungen aufgrund von Pflegebedürftigkeit und Aufgabe der eigenen Wohnung (wohnungs- und wohnumfeldorientiert, ruhesitzorientiert).

3. Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutschland[3]

Die demografische Entwicklung Ostdeutschlands seit 1990 zeigt sich vor allem in einem Geburtenrückgang von historischem Ausmaß und einer selektiven Abwanderung, verbunden mit starken Brüchen in den Alters-, Haushalts- und Familienstrukturen. Zusammen resultierte dies in einer deutlichen Alterung. Insgesamt verlor Ostdeutschlands Bevölkerung 1990-2002 rund 1,05 Mio. Einwohner durch Abwanderung an Westdeutschland (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wanderungen in Ostdeutschland, 1991-2002 (ab 2001: ohne Berlin/Ost), Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Die Altersselektivität schlug sich darin nieder, dass lediglich die ältere Bevölkerung leichte Wanderungsüberschüsse verzeichnen konnte, während vor allem die jüngere unter 30 Jahren in starkem Maße abwanderte (Abbildung 2). Dies wurde durch Zuzüge aus dem Ausland etwas ausgeglichen, allerdings waren diese Wanderungsgewinne in den Altersstufen erheblich geringer als die Verluste.

Abbildung 2. Wanderungen in Ostdeutschland 1991-2002 nach Altersgruppen (Saldo; ab 2001: ohne Berlin/Ost); Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Des weiteren waren die Ost-West-Wanderungen auch geschlechtsspezifisch stark ungleich: 1991-2002 wanderten netto gut 243.700 Männer aus Ostdeutschland fort, jedoch 447.600 Frauen! In der Altersgruppe der 18-25-Jährigen kommt dieses Missverhältnis noch drastischer zum Ausdruck (95.600 Männer gegenüber 191.600 Frauen). Die überdurchschnittliche Abwanderung der Frauen betraf damit in der Hauptsache die jüngeren/mittleren Altersstufen von 18 bis 50 – vor allem aufgrund mangelnder Erwerbsmöglichkeiten und eines hohen Ausbildungs- und Erwerbstätigenniveaus.

Daneben wuchs die ostdeutsche Binnenwanderung immer stärker an. Stadt-Umland-Wanderungen dünnten die Kernstädte aus; großräumige, altersspezifisch differenzierte Binnenwanderungen führten zu Bevölkerungsumverteilungen innerhalb Ostdeutschlands. Analog dazu hat die Mobilität in allen Altersstufen und Wanderungsrichtungen stetig zugenommen, sieht man von der singulär hohen Ost-West-Mobilität 1989-1991 ab. Konsequenz dieser Entwicklung war in den meisten Kreisen ein deutlicher Bevölkerungsrückgang, insbesondere in Kernstädten und peripheren Gebieten. Insgesamt nahm die Bevölkerung in Ostdeutschland (ohne Berlin) 1991-2002 um knapp 900.000 Menschen ab auf 13,6 Mio. (-6%) – in einzelnen (Mittel)Städten jedoch sehr viel dramatischer: Hoyerswerda –29,3%, Schwerin –21,6%, Halle –21,0%, Neubrandenburg –20,0%, Frankfurt/Oder –19,9%. Das Umland größerer Städte konnte dagegen als einziger Gebietstyp Bevölkerungszuwachs verzeichnen, teilweise bis zu 25% (BBR).

4. Phasen der altersselektiven Ost-West-Wanderungen

Seit 1990 fand eine Intensivierung und alters-, geschlechts- und regionsspezifische Ausdifferenzierung der ostdeutschen Wanderungsmuster statt[4]. Die räumliche Altersselektivität der Wanderungen (jüngere, mittlere und ältere Bevölkerung) von und nach Westdeutschland kann räumlich und zeitlich in drei Phasen eingeteilt werden:

  1. Die erste Phase (1991-93) war in allen Altersgruppen von einem großen Wanderungsgefälle zum Westen geprägt. Insbesondere aus verstädterten und ländlichen Kreisen wanderte jüngere Bevölkerung ab. Hierin spiegelt sich die mangelnde Befriedigung des Anspruchsniveaus dieser Altersgruppen v.a. im ländlichen Raum wider. Die mittleren und älteren Altersgruppen wanderten am meisten aus Kernstädten nach Westdeutschland. Auch die beiden anderen Gebietskategorien wiesen negative Saldoraten bei der mittleren und älteren Bevölkerung auf. Das gegensätzliche Muster verweist auf die unterschiedliche Wanderungsmotivation (vgl. 2., Lebenszykluskonzept): jüngere Bevölkerung zieht eher aus ländlichen Gebieten fort als Familien, die dort eventuell noch einen bevorzugten Wohnstandort haben und zunächst Pendeln als Möglichkeit ansehen.
  2. In Phase 2 (1994 – 1997) verringerten sich die Wanderungsgefälle zu Westdeutschland merklich. Die Mobilität wuchs insgesamt an, die Bedeutung der Umlandwanderungen nahm zu. Der Wanderungsverlust verringerte sich vor allem in verstädterten und ländlichen Kreisen und war beinahe ausgeglichen. In bestimmten Altersgruppen und Jahren konnten sogar Gewinne mit dem Westen verbucht werden. Die unterschiedliche räumliche Struktur der altersselektiven Wanderungen äußerte sich wie in der ersten Phase darin, dass jüngere Bewohner Ostdeutschlands vor allem aus ländlichen und verstädterten Kreisen, die älteren am ehesten noch aus den Kernstädten fortzogen – bei den verstädterten/ländlichen Kreisen war ihr Saldo fast schon ausgeglichen, während dies für die Jüngeren höchstens für die Kernstädte zutraf. Bei den mittleren Altersgruppen konzentrieren sich jetzt die Fortzüge neben den Kernstädten auch auf den ländlichen Raum.
  3. Spätestens seit 1998 ist wieder – altersspezifisch differenziert – ein Anwachsen des Wanderungsgefälles zu beobachten (3. Phase). Der Saldo der älteren Bevölkerung war zwar seitdem im verstädterten und ländlichen Raum leicht positiv. Der Anteil der älteren Bevölkerung an den Zuzügen nach Ostdeutschland erhöhte sich daher stark. Die beiden anderen Wanderungsgruppen verzeichneten jedoch erneut ansteigende Wanderungsgefälle. Die Muster gleichen sich in Bezug auf das Niveau und die siedlungsstrukturellen Muster der ersten Phase an: Jugendliche ziehen eher aus ländlichen Kreisen, Familien eher aus Kernstädten fort. Bei den 18-30-Jährigen in ländlichen Kreisen wurden die Werte der Nettowanderungsziffern der ersten Phase sogar übertroffen. An dieser Stelle sei nochmals auf die bereits erwähnten ausgeprägten geschlechtsspezifischen Unterschiede im Wanderungsverhalten hingewiesen (3.), die vor allem jüngere Altersgruppen betreffen. Der Anteil der Westwanderungen an den Fortzügen ist ebenfalls wieder angestiegen, nachdem er zur Mitte der 1990er Jahre gesunken war. Auch hier weisen ländliche Kreise die höchsten Werte auf.

5. Typisierung der altersselektiven Ost-West-Wanderungen

Typisiert man die altersselektiven Wanderungen auf Kreisebene mittels einer Clusteranalyse (Karte 1), so kann man fünf Muster unterscheiden.

Karte 1: Altersstrukturtypen der Westwanderungen, 1997-99

Die Kreise mit Abwanderung in fast allen Altersstufen, besonders aber den jüngeren (Typen 2, 3 und 4), liegen vorrangig im Norden und in strukturschwachen Gebieten. Die Gruppe der 18-25-Jährigen weist dabei in allen fünf Typen die jeweils (relativ) stärkste Abwanderung auf. Typ 2 mit einem negativen Saldo in fast allen Altersstufen, vor allem der jüngeren, ist v.a. im Norden und strukturschwachen Kreisen anzutreffen. Allerdings hat dieser Typ auch teilweise leichte Zuwanderungsüberschüsse der älteren Bevölkerung. Zum Typ 3 gehören nur Dessau, Hoyerswerda und Frankfurt/Oder, die durch eine überdurchschnittliche, vor allem jugendliche Abwanderung (mit den höchsten Werten aller Cluster), geprägt sind. Diese Städte weisen ausgeprägte Schrumpfungs- und Alterungstendenzen auf. Typ 4 und 5 haben fast durchgängig Wanderungsverluste, allerdings kann Typ 5 teilweise Zuwanderungsgewinne bei der älteren Bevölkerung verbuchen. Insgesamt ist der negative Saldo dieses Typs aber unterdurchschnittlich, verglichen mit den Typen 2-4. Bei Typ 1 finden sich schließlich einzelne Kreise mit einem Wanderungsüberschuss gegenüber Westdeutschland, zumindest in einzelnen Altersgruppen. Diese gehören zu den wenigen Kreisen, die spezifische Standortvorteile entwickelt haben – sei es als Wohn-, oder auch als Wirtschaftsstandort (Berliner Umland – Jena, Erfurt; vgl. Punkt 8).

6. Milieus und Determinanten der altersselektiven Westwanderungen

Auf Grundlage der Wanderungsanalyse in 3. und 4. wurden im nächsten Schritt regionale Milieus herausgebildet. Während in 4. die Wanderungen lediglich in ihrer regionalen und altersselektiven Differenzierung typisiert wurden, verknüpfen diese Cluster Indikatoren aus verschiedenen sozioökonomischen Bereichen mit den altersselektiven Ausprägungen der Ost-West-Wanderungen zu regionalen Struktur- und Entwicklungstypen[5]. Diese Regionalmilieus bilden die Standortqualitäten ab, von denen angenommen wird, dass sie in ihrer unterschiedlichen Wahrnehmung und Bewertung zu selektiven Wanderungen führen (vgl. 1.). Karte 2 zeigt dies beispielhaft für die Altersgruppe der 18-30-Jährigen.

Karte 2: Regionale Milieus der Westwanderungen, 1997-1999: 18-30-Jährige

  • Bei den 18-30-Jährigen ist das Wanderungsgefälle zum Westen in den strukturschwachen Mittelstädten (Cottbus, Frankfurt/Oder, Brandenburg) überdurchschnittlich groß. Dasselbe gilt für strukturschwache Kreise des Nordostens, Sachsen-Anhalts und Nordthüringens. Der größte Cluster wird von Kreisen mit gemäßigter Abwanderung, junger Altersstruktur, aber unterdurchschnittlicher ökonomischer Entwicklung gebildet: verstädterte Kreise an der Grenze zu Westdeutschland, die vor allem als Wohnstandort attraktiv sind. Nur einzelne Großstädte (Dresden, Leipzig, Erfurt, Potsdam) weisen ein geringeres Wanderungsgefälle auf – Hinweis auf die überdurchschnittliche Entwicklung und Funktion als Bildungsstandort. Im untersuchten Zeitraum haben diejenigen Kreise mit einer überdurchschnittlichen Abwanderung eine unterdurchschnittliche sozioökonomische Struktur[6]. Kreise mit einem geringen Wanderungsgefälle sind sozioökonomisch überdurchschnittlich und mit spezifischen Standortvorteilen ausgestattet, vor allem in Thüringen (Universitätsstandorte) und westlich Berlins. Drei Kreise in Thüringen konnten ihr Gefälle zu Westdeutschland 1996-1999 sogar etwas abbauen.
  • Bei den unter 18- und 30-50-Jährigen kann man den Typus der eher strukturschwachen Stadt mit überdurchschnittlichem Wanderungsgefälle differenzieren. Dieser kann wenig überdurchschnittliche Werte aufweisen (Cottbus, Frankfurt/Oder, Brandenburg, Dessau). Vor allem der altindustrialisierte, strukturschwache Raum bildet auch hier ein (wenn auch größeres) Cluster, allerdings kommen Kreise hinzu, die ihre Eigenschaft als Abwanderungsgebiet vermutlich eher einer dezentralen Lage zu verdanken haben. Eine Gruppe mit geringem Wanderungsgefälle bilden Großstädte mit einer eher günstigen sozioökonomischen Struktur (Steuereinnahmen, Humankapitalbestand, Beschäftigtendichte) wie Dresden, Leipzig und Erfurt; und vor allem verdichtete Kreise im Umland größerer Städte (Berlin, Dresden, Halle/Leipzig, Rostock) – Ausdruck der Suburbanisierung. Die Entwicklungstypen zeigen an, dass sich die Ost-West-Wanderungen auch in diesen Altersgruppen im Einklang mit ökonomischen Indikatoren entwickelten.
  • Die ab 50-Jährigen wandern vor allem aus Mittel- und Großstädten mit einer strukturschwachen wirtschaftlichen Entwicklung nach Westdeutschland. Die räumliche Struktur der Hauptabwanderungsgebiete spiegelt die Motivation dieser Gruppe im Rahmen ihres Lebenszyklus wider (ruhesitz- bzw. wohnumfeldorientiert, vgl. 2.). Die Zuwanderung älterer Bevölkerung aus dem Westen konzentriert sich auf Kreise, die in den Bereichen Infrastruktur, Fremdenverkehr und Wohnungsmarkt überdurchschnittliche Werte aufweisen, bei geringer Ausprägung ökonomischer Indikatoren – also landschaftlich attraktive Gebiete (Ostseeküste, Thüringer Wald, Erzgebirge). Auch in der dynamischen Analyse wird hier die zunehmende Bedeutung von Faktoren, die die Attraktivität als Wohnstandort betonen, angedeutet.

Die Ergebnisse multivariater Regressionen verweisen auf Interdependenzen zwischen Struktur- und Entwicklungsindikatoren und dem Wanderungsverhalten. Bei den jüngeren Altersgruppen gibt es einen starken Zusammenhang der Arbeitsmarktsituation mit der Größe des Wanderungsgefälles, das mit mangelnden beruflichen Perspektiven ansteigt. Es ist ebenfalls ein Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung festzustellen: in jüngeren Kreisen ist die Abwanderung geringer als in den überdurchschnittlich schrumpfenden. Dies deutet auf den Teufelskreis einer einmal eingesetzten Abwanderung bzw. eines Bevölkerungsrückgangs hin. Damit wird der Ansatz untermauert, dass die Ost-West-Wanderungen durch eher längerfristige Änderungen im Lebensverlauf bestimmt werden. Es wird gewandert, wenn in der Zielregion ein höheres Befriedigungsniveau zu erwarten ist, das vor allem abhängig ist von der Stellung im Lebenszyklus (vgl. 2.)[7]. Vor allem bei jüngeren und mittleren Altersgruppen sind Wanderungen in erster Linie von Arbeitsmarkt-, Lohn- und Einkommensdisparitäten zwischen Ost- und Westdeutschland bzw. innerhalb Ostdeutschlands abhängig. Dafür steht auch der hohe Anteil der 18-30-Jährigen, die mit über 40 Prozent an den Fortzügen nach Westdeutschland beteiligt sind. Schließlich beeinflussen die regionalen Standortqualitäten die Wanderungen: sie tragen dazu bei, dass sich ein bestimmtes Wanderungsmilieu entwickelt und auf die Entscheidung einwirkt, wobei die Wahrscheinlichkeit mit dem Gefälle der Disparitäten steigt. Es werden zugleich außerökonomische Faktoren mit dem Alter zunehmend wichtiger, vor allem für Familien und Ältere.

7. Regionalpolitische Folgeprobleme altersselektiver Wanderungen

Die Folgen der selektiven Abwanderung in Ostdeutschland betreffen verschiedenste Bereiche (Müller 2003): zum einen auf der Ebene der Raumordnung/Stadtentwicklung, zum anderen auf der Ebene Staat und Gesellschaft, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll (Auswirkung auf Sozialversicherungssysteme, Unternehmen, Konsum und Nachfrage). Bei der Darstellung der regionalpolitischen Konsequenzen kann dabei nicht immer präzise zwischen Abwanderung und Geburtenrückgang als Auslöser oder Bestimmungsfaktor unterschieden werden – beide Prozesse wirken meist (oft parallel und verstärkend) auf gleiche Art und Weise. Die Entwicklung verlangt in jedem Fall nach neuen Konzepten und Strategien für die Steuerung solcher Schrumpfungsprozesse. Die Strukturprobleme betreffen in den meisten Regionen ähnliche Bereiche, obgleich sich ausgeprägte Differenzierungen ergeben. Es besteht damit die Gefahr einer gegenseitigen Entwicklungsdynamik und wachsender räumlicher Disparitäten in Lebensbedingungen und –qualität.

Ein zentrales Problem, das von der Abwanderung über alle Altersstufen hinweg tangiert wird, sind die mit der Bevölkerungszahl abnehmenden kommunalen Einnahmen, denen wachsende Ausgaben gegenüberstehen. Abwanderung vor allem jüngerer Menschen wirkt zudem (zusammen mit einem Sterbeüberschuss) auf den Wohnungsbedarf, der längerfristig zurückgehen wird, auch wenn dies durch Haushaltsverkleinerungen und den wachsenden Wohnflächenbedarf noch ausgeglichen wird (Winkel 2001). Zu oft wurde aber in den Kommunen Bauland neu ausgewiesen, obgleich die demografische Entwicklung keine derartige Planung rechtfertigte. Eine unmittelbare Folge ist schon heute der Leerstand in einzelnen Kernstädten; es wird davon ausgegangen, dass in Ostdeutschland in den nächsten zehn Jahren 3-400.000 Wohnungen abgerissen werden müssen. Im suburbanen und ländlichen Raum wird die Zahl älterer Menschen stark zunehmen, was auf die mangelhafte Erreichbarkeit infrastruktureller Einrichtungen verweist. Dienste und Nachfrager müssen in Zukunft mobiler werden und sich an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Funktionsfähige Arbeits- und Versorgungsmärkte in peripheren Gebieten können trotzdem künftig nur schwer aufrechterhalten werden. Die Schrumpfung bewirkt eine geringere Auslastung/Nachfrage der Dienstleistungen und Versorgungseinrichtungen, bei gleich bleibenden Kosten.

Die qualitativ-selektive Wirkung der Abwanderung äußert sich unmittelbar im Verlust an Humankapital, vor allem im Wegzug höher Qualifizierter. Dies ist ein Bereich, in dem dringender Handlungsbedarf besteht – denn das „Humankapital“ als integraler Bestandteil des regionalen Entwicklungspotenzials wird ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor (Schramm 1995). Junge, gut qualifizierte Bevölkerung zieht fort; im Gegenzug ziehen nur wenige gut Ausgebildete nach Ostdeutschland (Haas 2002). Gerade jüngere Fachkräfte, die in das Berufsleben eintreten, haben eine eingeschränkte räumliche Wahlmöglichkeit und müssen sich primär nach Arbeitsmarktoptionen richten. Die langfristigen Standortbedingungen verschlechtern sich jedoch durch die demografische Entwicklung, wirtschaftliche Chancen werden behindert, eine weiterhin hohe Arbeitslosigkeit und sinkende Attraktivität für Gewerbe- und Industrieansiedlungen ist zu befürchten. Auf der anderen Seite kann eine Zunahme des Fachkräftemangels drohen, der heute schon bemerkbar ist und stellenweise mit bis zu 20% an unbesetzten Stellen zu Buche schlägt (IAB 2002). Die Frage, wann und ab welchem Ausmaß Wanderungen als negativ anzusehen sind, ist sicherlich schwierig einzuschätzen. Man kann jedoch festhalten, dass eine dauerhafte Abwanderung junger, gut qualifizierter Bürger die ansässige Gesellschaft zweifach schwächt: zum einen wirtschaftlich, weil hauptsächlich gut Ausgebildete abwandern. Zum anderen ziehen künftige Eltern- und Kindergenerationen fort und verstärken die demografischen Schrumpfungstendenzen. Anzumerken ist, dass bezüglich der Selektionswirkung Ende der 1990er Jahre wohl eine Trendumkehr stattfand, nachdem zuvor die Wanderungsbilanz im Qualifikationsniveau weitestgehend ausgeglichen oder regional sogar positiv war. Seit 1997 ziehen jedoch wieder höher Qualifizierte verstärkt in den Westen, und das Gefälle vergrößert sich wieder in bedenklichem Ausmaß (insbesondere Frauen, bei gleich bleibender Struktur der West-Ost-Wanderer) (Kempe 2001).

Selektive Abwanderung, schrumpfende Jahrgänge, und eine mangelhafte Erreichbarkeit ziehen in ihrer Konsequenz wieder Nachteile in der Ausstattung mit Wissen, Information und Humankapital für die betroffene Region nach sich. Hier weisen vor allem ländliche Räume entscheidende Standortnachteile auf – aber auch einzelne Mittelstädte, die besonders unter einer Bevölkerungsabnahme zu leiden haben. Außerdem sind einzelne ländliche Gegenden oft traditionelle Abwanderungsgebiete und weisen alters- und geschlechtsstrukturelle Disproportionen auf, die sich über Jahre im Altersaufbau niedergeschlagen haben (Weiß 1998, vgl. 2.). Folge ist z.B. ein regional starker Männerüberschuss in jüngeren und mittleren Altersstufen, der letztendlich auch ein gewisses sozialpolitisches Konfliktpotenzial birgt. Schlussendlich wirken diese Strukturen wieder auf die Abwanderungsbereitschaft der ansässigen Bevölkerung. Dies hat längerfristig sehr einseitige Altersstrukturen zur Folge, die immanente Entwicklungsprobleme und ungünstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Regionalpolitik darstellen.

8. Instrumente und Maßnahmen zur Gegensteuerung

Die Optionen der Politik bilden ein Konglomerat von Maßnahmen, die zusammen genommen die Rahmenbedingungen für ein Milieu schaffen sollen, in dem Abwanderung reduziert wird. Bei den direkten Maßnahmen, die dem entgegenwirken sollen, kann es nur darum gehen, Einwohner am Ort zu halten bzw. Anreize zum Nicht-Wandern auf politischer und administrativer Ebene zu liefern, und auf der anderen Seite potenzielle Neubürger zu gewinnen. Die Regionalpolitik muss hierfür die Bedingungen schaffen und sich auf die jeweiligen Gegebenheiten und Bedürfnisse der Bewohner einrichten. Weil Wanderungen aber sehr unterschiedlich determiniert werden, kann eine wirksame Politik nur bestimmte Facetten der Wanderungsentscheidung beeinflussen. Es wird aber entscheidend sein, das Augenmerk auf die jüngere Bevölkerung zu richten und diese am Ort zu halten. Der erste Ansatzpunkt einer gegensteuernden Politik muss daher auf eine Abschwächung der Abwanderung in diesen Altersgruppen abzielen, in Kombination mit einer familienfreundlicheren Politik. Wichtig sind in jedem Fall regionale und altersspezifisch orientierte Maßnahmen. Vorab muss altersspezifische Ausprägung und Ausmaß bzw. Richtung der Wanderung geklärt werden, um den Handlungsbedarf und –druck zu ermitteln: in welchen Altersgruppen herrscht in welchem Ausmaß und wohin Abwanderung? Wo liegen die Zielvorgaben, die angesichts der voraussichtlichen Entwicklung realistisch und wünschenswert sind? Anhand dieser Vorgaben sollten die Maßnahmen ausgerichtet werden, um die Wanderungen und ihre strukturellen Ursachen zu beeinflussen. Die regionalpolitischen Instrumente bzw. Infrastruktur-/Versorgungseinrichtungen können so besser altersspezifisch justiert werden, was aber das Wissen um die demografischen Prozesse und ihre Wirkungsfaktoren voraussetzt.

Beispiele für Maßnahmen, um die Attraktivität einer Region zu steigern, sind der Aus- oder Umbau von Siedlungen je nach Nachfragestruktur, oder eine Aufwertung der Innenstadt als Lebens- und Arbeitsraum vor allem für Familien mit Kindern (Mäding 2000). Der Bereitstellung und Wiederbelebung urbaner Lebens- und Wohnqualität wird große Bedeutung für eine Attraktivitätssteigerung beigemessen, ebenso wie der Stärkung sozialer Netzwerke in einer Stadt. Dazu müssen Kinderbetreuungseinrichtungen und eine verbesserte schulische Infrastruktur treten, um die strukturellen Rahmenbedingungen für Familien zu verbessern. Ansatzpunkt für arbeitsmarktorientierte Wanderungen ist in erster Linie die Schaffung von Arbeitsplätzen bzw. die Verhinderung der Abwanderung von Unternehmen und Betrieben vor allem aus strukturschwachen Gebieten. Für jüngere Altersgruppen müssen Freizeit- und Betreuungsangebote und Ausbildungseinrichtungen bzw. Hochschulen bereitgestellt werden. Für die älteren Altersgruppen ist es von Vorteil, wenn die Region die Angebote im Bereich der Fort- und Weiterbildung stärkt und ihre Naherholungs- und Tourismuspotenziale ausbaut – auch im Hinblick auf Ruhesitzwanderer, die dauerhaft in die Region ziehen möchten. So oder so müssen die Kommunen dem Trend der Alterung folgen und das Lebens- und Wohnumfeld stärker auf ältere Bürger ausrichten und altengerechter gestalten – von Freizeitangeboten, neuen Wohnformen, bis hin zu Pflegeeinrichtungen.

Neben diesen direkten Maßnahmen, die auf die Bevölkerungsentwicklung wirken sollen, gibt es indirekte, die sich (regionalpolitisch) eher auf die Abfederung demografischer Folgeprobleme konzentrieren. Auf diese soll aber an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Deren eigentliches Ziel muss es jedenfalls sein, durch Investitionen und Strukturpolitik die Standortqualitäten der Regionen zu verbessern und auf diese Weise wieder regionale Milieus zu schaffen, die einer Abwanderung entgegenwirken.

9. Potenziale und Perspektiven der ostdeutschen Kreise

Wie sehen die Perspektiven der ostdeutschen Kreise angesichts selektiver Abwanderung und Alterung aus? Einige könnten zu Westdeutschland aufschließen: Leipzig, Jena, Erfurt, Potsdam oder Dresden. Diese können eine vergleichsweise günstige sozioökonomischen Struktur, einen guten Humankapitalbestand und eine moderate Abwanderung oder gar Zuwanderung verzeichnen. In den meisten Fällen herrscht hier ein Standortklima, das Unternehmensansiedlungen attraktiv macht und in dem die spezialisierten Betriebe gut vernetzt sind. Zudem ist die Funktion als Bildungsstandort für die jüngere Bevölkerung bedeutsam, eine hohe Lebensqualität trägt ebenso dazu bei. Die Kreise im (westlichen) Berliner Umland weisen spezifische Vorteile in der räumlichen Lage, im Naherholungspotenzial, und eine attraktive Landschaft auf. Die verstädterten Räume in der Nähe zu Westdeutschland/West-Berlin sind als Wohnstandort vor allem für Familien attraktiv. Hier könnte ein Ansatz darin liegen, die Pendlerbewegungen auszubauen und zu fördern, um wenigstens die ansässige Bevölkerung am Ort zu halten – wenn die Entfernungen zum Arbeitsplatz nicht zu groß sind. Andere Kreise werden größere Probleme haben, und stärker unter selektiver Abwanderung und Sterbeüberschüssen leiden. Dazu zählen altindustrialisierte, strukturschwache Mittelstädte wie etwa Cottbus, Frankfurt/Oder, Hoyerswerda, Suhl oder Görlitz. Diese sind durch eine dauerhafte Abwanderung in den meisten Altersstufen und eine geringe wirtschaftliche Dynamik charakterisiert. Die Abwanderung zeigt sich vor allem bei Jüngeren, weiterhin bei Abwanderungen ins Umland der Kernstädte, die vornehmlich von Familien realisiert werden. Schließlich ist auch der Saldo der älteren Bevölkerung meist negativ. Die Entwicklungsperspektiven dieser Kreise müssen als eher schlecht eingestuft werden. Sowohl von Seiten des Humankapitals, als auch der Wirtschaft kommen kaum Impulse, und die Schrumpfungsprozesse wirken auf mehreren Ebenen. Auch im Wohnungsbereich ist dies spürbar.

Die übrigen, meist strukturschwachen Kreise, etwa in Südbrandenburg, Ostsachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, fungieren ebenfalls in fast allen Altersgruppen als Abwanderungsgebiete, wobei die jüngere und mittlere Bevölkerung vornehmlich aus peripheren Kreisen fortzieht, und fast das gesamte Mecklenburg-Vorpommern als Fortzugsgebiet überwiegt. Die ältere Bevölkerung zieht dagegen eher aus Großstädten fort, und stärker in den Norden. Zusammen mit den wirtschaftlichen und strukturellen Problemen sind die Perspektiven ebenfalls eher negativ einzuschätzen. Vor allem der Osten Mecklenburg-Vorpommerns weist starke, strukturelle Defizite auf, die sich selbst verstärken und wohl nur schwer abgebaut werden. Positive Impulse könnten vielleicht auf die Nachbarregionen zu Westdeutschland wirken, da wirtschaftliche Diffusionseffekte teilweise nach Ostdeutschland ausstrahlen könnten.

Es muss damit mit verstärkten Disparitäten innerhalb Ostdeutschlands gerechnet werden – statt Konvergenz ist Divergenz zu erwarten. Die Disparitäten werden sich durch die selektiven Wanderungen vergrößern, wenn nicht in Zukunft wieder eine Trendumkehr stattfindet. Die Prozesse werden auf kleinräumiger Ebene verlaufen und die räumliche Entwicklung stärker ausdifferenzieren. Ostdeutschland hat mit der selektiven Abwanderung und dem damit verbundenen Trend der regionalen Alterung einen Weg eingeschlagen, auf dem in absehbarer Zeit nicht mehr umgekehrt werden kann. Die altersselektiven Wanderungen wirken unmittelbar auf die Regionalentwicklung und zwingen die politischen und wirtschaftlichen Handlungsträger zu Gegenmaßnahmen. Die Gefahr der Abwanderung liegt dabei nicht so sehr in ihrem Ausmaß, sondern ihrer Qualität/Struktur und Stetigkeit. Daher muss eine zukunftsorientierte Politik zu aller erst versuchen, die ansässige und insbesondere jüngere Bevölkerung am Ort zu halten, und durch eine vorausschauende und intelligente Strukturpolitik dies zu untermauern. Der längerfristige Zeithorizont des demografischen Wandels lässt zwar für Gegenmaßnahmen noch genug Zeit – jedoch ist das Zeitfenster nicht groß[8]. Die demografische Entwicklung bietet gleichwohl neben den negativen Aspekten auch die „Chance“, eine nachhaltige Entwicklung in den Regionen zu fördern und auf eine konstruktive Schrumpfung zu setzen. Nur mit einem Bewusstseinswandel kann man sich auf neue Perspektiven und endogene Potenziale konzentrieren und den Wandel bewältigen.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Haben Sie gegensätzliche Erfahrungen gemacht? schreiben Sie einen --> Leserbrief!

Dr. Ralf Mai ist im Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung seit 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter in Bereich „Alterung und seine Konsequenzen“. 2000-2003 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bevölkerungswissenschaft an der Universität Bamberg tätig. 2003 hat er promoviert. Ralf Mai studierte an der Universität Bamberg von 1992-1998 Geographie, Urbanistik/Sozialplanung und Bevölkerungswissenschaft.

Literatur

BBR: INKAR (Indikatoren zur Raumentwicklung), Bonn. Ausgaben 1998, 1999, 2000, 2003.

Birg, H.: Bemerkungen zu einer regional differenzierten Betrachtungsweise in der Demographie. In: Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung, Heft 4, 1981, S. 496-505.

Bogue, D.J. und M. J. Hagood: Differentielle Wanderung im Corn Belt und Cotton Belt. In: Széll, G. (Hg.): Regionale Mobilität. München 1972. S. 176-212.

Bucher, H., Kock, M. und C. Schlömer: Künftige internationale Wanderungen und die räumliche Inzidenz von Integrationsaufgaben. In: Informationen zur Raumentwicklung, Heft 8/2002, S. 415-430.

Dick, E. und H. Mäding (Hg.): Bevölkerungsschwund und Zuwanderungsdruck in den Regionen. Münster 2002.

Gatzweiler, H.-P.: Zur Selektivität interregionaler Wanderungen. Bonn 1975. (= Forschungen zur Raumentwicklung, 1).

Haas, A.: Wohin nach der Berufsausbildung? In: IAB-Kurzbericht, 7/2002.

Härtel, Hans-Hagen: Ostdeutschland im nationalen und europäischen Regionalvergleich. In: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2001, S. 292-296.

IAB, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Hg.): IAB-Materialien, 1/2002.

Kempe, W.: Neuer Trend in der Bildungsstruktur der Ost-West-Wanderung? In: Wirtschaft im Wandel, 9/2001, S. 205-210.

Kemper, Franz-Josef: Die Bedeutung des Lebenszyklus-Konzepts für die Analyse intraregionaler Wanderungen. In: Ders. (Hg.): Geographie als Sozialwissenschaft. Bonn 1985. S. 180-212.

Mäding, H.: Wanderungsprozesse – Herausforderungen für die Wohnungswirtschaft und die Städte. DIFU: Aktuelle Informationen, 11/2000.

Mai, R.: Abwanderung aus Ostdeutschland. Frankfurt/Main 2004.

Müller, B.: Regionalentwicklung unter Schrumpfungsbedingungen. In: Raumforschung und Raumordnung, 1-2/2003, S. 28-42.

Rossi, P.H.: Why families move. Glencoe 1955.                

Schramm, W.: Humanvermögen und Raumentwicklung. In: Siedlungsstruktur und Bevölkerungsentwicklung. Hannover 1995. S. 7-15. (= ARL-Arbeitsmaterialien, Nr. 219).

Weiß, W.: Demographische Implosion oder Normalisierung. In: Asmus, I. et.al. (Hg.): Geographische und historische Beiträge zur Landesgeschichte Pommerns. Schwerin 1998. S. 66-74.

Winkel, R.: Die Bevölkerungsentwicklung verändert die Anforderungen an die Siedlungsplanung. In: Raumforschung und Raumordnung, 1/2001, S. 3-5.



[1]              Es wurden die Ost-West-Wanderungen 1991-2000 verwendet, differenziert nach sechs Altersgruppen (für die Bevölkerung insgesamt). Räumliche Untersuchungsebene waren die ostdeutschen Kreise/kreisfreien Städte und ihre siedlungsstrukturellen Kreistypen (vgl. BBR). Datengrundlage waren Zahlen der Statistischen Landesämter sowie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung.

[2]              Kurzfassung der Dissertation von R. Mai (2004).

[3]              Soweit nicht anders angegeben, beziehen die Zahlen für Ostdeutschland Ost-Berlin bis 2000 mit ein; seither wird Berlin in der amtlichen Statistik zu Westdeutschland gezählt.

[4]              Eine geschlechtsspezifische Differenzierung wurde aus Gründen der Datenverfügbarkeit nicht durchgeführt (vgl. 3.).

[5]              Hierfür wurden die Indikatoren zur Raumentwicklung (INKAR) des BBR ausgewertet.

[6]              Z.B. Arbeitslosenquote, Steueraufkommen oder AB-Maßnahmen.

[7]              Ein gewisser Teil der Herleitung ist allerdings auf Faktoren zurückzuführen, die nur auf der individuellen Ebene erklärt werden können.

[8]              Es muss zudem betont werden, dass der Sterbeüberschuss die Bevölkerungsentwicklung künftig noch stärker als die Abwanderung dominieren wird.

.........................................................................................................................................................

Dies ist ein Dokument der Seite www.schrumpfende-stadt.de
Erstelldatum: 03. Mai 2004
Autor: Ralf Mai