| Kongress
"2 Jahre Stadtumbau Ost" - Wie geht's noch besser?
Wie gehts noch besser? oder auch
Bilanz und Perspektiven, unter diesem Motto hatte das
Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Wohnen zum Kongress Zwei
Jahre Stadtumbau Ost am 27.11.2003 eingeladen. Ziel der Veranstalter
war, etwa zwei Jahre nach Programmstart in erster Linie die Akteure
des Stadtumbaus zu Wort kommen zu lassen, d.h. mit denjenigen ins
Gespräch zu kommen, die tagtäglich mit dem Programm arbeiten. Damit
sollte zum einen eine Zwischenbilanz gezogen und zum anderen die künftigen
Perspektiven von Stadtumbau Ost ausgelotet werden. Über
450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, überwiegend Vertreter aus den
Kommunen, der Wohnungswirtschaft, der Politik, Planungsbüros, Stadtwerken
und der Wissenschaft haben die Einladung angenommen. Den ersten großen Themenkomplex der Veranstaltung
- Wohnungswirtschaft - bestimmten Vorträge von Lutz Freitag,
Präsident des GdW und von Reinhard Aehnelt (Institut für Stadtforschung
Berlin), der Zwischenergebnisse aus einer Befragung von Wohnungsunternehmen
zum Stadtumbau präsentierte. Den zweiten Schwerpunkt - Stadtentwicklung
- gestalteten die Präsentationen von Marta Doehler-Behzadi (Büro für
Urbane Projekte Leipzig) und Ulrich Pfeiffer (Empirica) in ihrer Darstellung
der Analyse der Wettbewerbsbeiträge sowie von Michael Bräuer, dem
Vorsitzenden der Jury des Stadtumbau-Wettbewerbs, in der Ausführung
städtebaulicher und baukultureller Anforderungen an den Stadtumbauprozess.
Eine Podiumsdiskussion mit öffentlicher Beteiligung bildete den Programmschwerpunkt
am Nachmittag. Bereits im Vorfeld des Kongresses wurde den Teilnehmern
die Möglichkeit gegeben, Einfluss auf die Gestaltung der Veranstaltung
zu nehmen. Die Besucher waren aufgefordert worden, dem Veranstalter
zusammen mit ihrer Anmeldung Kritikpunkte, Anregungen und Vorschläge
zum Stadtumbau Ost mitzuteilen. Diese Gelegenheit wurde
wahrgenommen: Über 160 eingegangene Anmerkungen liefern in ihrer Gesamtheit
eine durchaus differenzierte Zusammenschau zu den komplexen Themen
des Stadtumbaus. Während sich ein großer Anteil der Bemerkungen auf
Belange der Wohnungswirtschaft und reine Finanzierungsfragen
bezieht, gehen andere über das Programm hinaus und liefern weiteres
Material zum Umgang mit städtischen Schrumpfungsprozessen. Diese Anregungen
spiegeln schwerpunktmäßig auch die Themen und Fragestellungen wider,
die während des Kongresses sowohl in den Vorträgen, als auch in den
Diskussionsbeiträgen und in der Podiumsdiskussion wiederholt zur Sprache
kamen. Erwartungsgemäß bildeten wohnungswirtschaftliche
Aspekte einen Schwerpunkt der Veranstaltung. Dabei wurde auch deutlich,
wie sehr die städtebaulich-architektonische Qualifizierung des Stadtumbaus
von wohnungswirtschaftlichen Fragestellungen abhängt. Als eines der
größten Hemmnisse für ein Gelingen des Stadtumbaus sehen die Wohnungsunternehmen
die unzureichend geklärte Problematik der Altschulden, insbesondere
den § 6a AHG, nach dem die Wohnungsunternehmen nur unter bestimmten
Bedingungen eine Entlastung erwarten können. Das Ergebnis der Unternehmensbefragung
von 61 am Stadtumbau beteiligten Wohnungsunternehmen zeigt klar und
deutlich, dass die Wohnungswirtschaft ohne eine vollständige Altschuldenentlastung
sich nicht in der Lage sieht, den Stadtumbau zu unterstützen. Dies
hat zunehmend negative Auswirkungen auf die städtebaulichen Zielstellungen
der Kommunen: Abrisse werden demnach fast ausschließlich nach wohnungswirtschaftlichen
Erfordernissen der Eigentümer entschieden. Schwierigkeiten im Gesamtprozess bestehen zudem in
der Einbeziehung privater Wohnungseigentümer in den Stadtumbau, was
wiederum direkte Auswirkungen auf die Innenstädte hat, die bislang
nur wenig vom Stadtumbau profitieren. Bislang wird Stadtumbau überwiegend
von den großen Wohnungseigentümern (kommunalen Gesellschaften und
Wohnungsgenossenschaften) vollzogen, und zwar oftmals ausschließlich
in den Plattenbausiedlungen an den Ortsrändern. (Eine Ausweitung der Altschuldenentlastung durch
den Bund, zum einen aus Mitteln der Eigenheimzulage, zum anderen aus
Mitteln der sozialen Wohnraumförderung der Länder, wird zur Zeit im
Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat geprüft). Ein
weiterer Kritikpunkt seitens der Wohnungswirtschaft ist die nicht
auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Fördersystematik. Die zu fördernden
Maßnahmen müssten mit einem erheblichen zeitlichen Vorlauf geplant
werden, die zeitliche Verteilung der Fördersummen entspreche jedoch
nicht dem Mittelbedarf, soweit der bundesweit vorgegebene Kassenmittelabfluss
schematisch auf jeden einzelnen Förderfall übertragen werde. Im Rahmen der Programmgestaltung wurde insbesondere
das Verhältnis von Rückbau und Aufwertung diskutiert. Während der
Bund angibt, dass die Bundesmittel zu 56% für den Rückbau, zu 44%
für die Aufwertung abgerufen werden, spielt nach der Befragung der
Wohnungsunternehmen das Thema Aufwertung bislang noch eine untergeordnete
Rolle. Dies wird jedoch in den Ländern jeweils unterschiedlich gehandhabt..
Einzelne Länder weichen diesen paritätischen Grundsatz immer mehr
auf, in Sachsen wurden beispielsweise im Programmjahr 2003 77% der
Programmmittel für Abriss, 23% für Aufwertung abgerufen. Rainer Schöne, Baudezernent der Stadt Halberstadt,
in der in den letzten Wochen und Monaten über 850 WE abgerissen wurden,
berichtete von dem Gefühl der Leere, welches sich angesichts
des weiträumigen Abrissfeldes einstellt, woraus sich für die Stadt
ganz aktuell in der zweiten Phase des Stadtumbaus die Notwendigkeit
ergibt, sich mit dem Thema Nachnutzung auseinander zu setzen. Viele weiterführende Themen zum Thema Stadtumbau
und den damit verbundenen Folgen in den Kommunen wurden in den Anregungen
genannt, konnten jedoch wenn überhaupt im Laufe des Kongresses
nur stichpunktartig angerissen werden: In der Zusammenschau der Beiträge auf dem Kongress
und der eingegangenen Anmerkungen der Teilnehmer zeigt sich, dass
die lokalen Stadtumbau-Akteure zunächst verständlich
in erster Linie an ganz aktuellen und naheliegenden Fragestellungen
der Programmumsetzung, d.h. dem Umgang mit dem Förderinstrument, interessiert
sind. Es bleibt festzustellen, dass das Programm insgesamt angenommen
wird: man lernt, damit zu arbeiten, macht die ersten Erfahrungen,
kritisiert die Abläufe im Verwaltungsapparat oder muss sich auch mit
ganz existenziellen Fragestellungen, beispielsweise im Falle des Überlebens
einzelner Wohnungsunternehmen auseinandersetzen. Trotzdem zeigt sich
bereits hier wieder die Gefahr der Reduzierung des Themas Stadtumbau
auf ein reines Wohnungswirtschaftsprogramm, wie Michael
Bräuer dies in seinem Vortrag anmerkte. |
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| Dies ist
ein Dokument der Seite www.schrumpfende-stadt.de Erstelldatum: 08. Dezember 2003 Autor: Beate Glöckner |