| Wohnstandortmarketing
- Strategie zur Bestandsaufwertung und sozialen Stabilisierung städtischer
Wohnquartiere
Die kommunale Wohnungspolitik in größeren und mittleren
Städten steht vor neuen Herausforderungen. Entwicklungen wie der demographische
Wandel, der künftig in vielen Regionen zu absehbaren Bevölkerungsverlusten
führen wird und gesellschaftliche Veränderungen, die sich nicht zuletzt
auf die Wohnpräferenzen und Haushaltsstrukturen auswirken werden,
treten zu bereits länger bekannten Phänomenen der Siedlungsentwicklung
wie Stadt-Umland-Wanderungen. Experten sprechen deshalb von grundlegend
veränderten Wohnungsmärkten[1]
oder vom wohnungswirtschaftlichen Strukturwandel[2].
Zentrales Thema spielt dabei die Schrumpfung der Bevölkerung, die
in vielen ostdeutschen Städten bereits zu einem Überangebot von Wohnraum
geführt hat, letztlich aber auch viele westdeutsche Städte treffen
wird[3].
Die Ursachen für die Schrumpfung sind negative demographische Entwicklungen
sowie Wanderungsverluste. Während die eine Ursache der Schrumpfung, die negative
demographische Entwicklung in aller Regel durch die Stadtplanung nicht
beeinflusst werden kann, bietet die zweite Ursache der Schrumpfung,
die Wanderungsbewegungen mehr Möglichkeiten zum Eingreifen. Hierbei
ist zu beachten, dass wiederum nur ein Teil der Wanderungsbewegungen
beeinflusst werden kann. Fernwanderungen, deren Ursachen meist mit
Arbeitsplatzwechseln zusammenhängen, können durch stadtplanerische
Maßnahmen nicht angegangen werden; nur über die Stellgröße der Randwanderungen
lässt sich die Bevölkerungsentwicklung in den Kommunen wirkungsvoll
beeinflussen[4].
Berücksichtigt werden muss, dass der Anteil, den Nahwanderungen an
der gesamten Bevölkerungsentwicklung haben, je nach Stadtregion differiert,
in aller Regel jedoch nur einen kleinen Teil ausmacht[5].
Aus diesem Grund sind die Effekte, die durch eine Verringerung der
Nahwanderung zu erzielen sind, zu relativieren. Konkret bedeutet dass:
Viele Städte müssen sich auf Schrumpfung einstellen, da nicht alle
Ursachen der Schrumpfung angegangen werden können. Dennoch erscheint
es sinnvoll für die Städte, vermeidbare Bevölkerungsverluste insbesondere
in den innerstädtischen Quartieren zu verringern, um die negativen
Auswirkungen der Schrumpfung wie z.B. eine drohende Verödung der Innenstadt
oder das Auseinanderbrechen kompakter Stadtstrukturen zu vermeiden
bzw. so gering wie möglich zu halten. Mit der im Folgenden vorgestellten Strategie des
Wohnstandortmarketings sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie
Bevölkerungsverluste innerstädtischer Quartiere, die auf Nahwanderungen
beruhen, verringert werden können. Im Gegensatz zu herkömmlichen Strategien
zur Reduzierung von Stadt-Umlandwanderung, die meist ausschließlich
kommunale Maßnahmen wie z.B. die Ausweisung von Bauland beinhalteten,
sollen beim Wohnstandortmarketing Kooperationen zwischen kommunalen
und privaten Akteuren zur Reduzierung von Stadt-Umlandwanderung im
Vordergrund stehen. Solche Kooperationen bieten sich an, da die Anbieter
von Wohnnutzung prinzipiell vor den gleichen Problemen stehen wie
die um Einwohner ringenden Kommunen. Eine stabile Wohnbevölkerung
in städtischen Quartieren zu halten ist sowohl im Interesse der Kommune,
als auch der Wohnungsanbieter. Darüber hinaus soll sich das Wohnstandortmarketing
stärker als bisherige Ansätze zur Reduzierung der Wohnsuburbanisierung
an den Wohnwünschen der Nachfrager ausrichten. Mit dem Begriff des
Wohnstandortmarketings wird dabei einerseits die aus dem Marketing
für Konsumgüter abgeleitete Orientierung an den Nachfragern, andererseits
die aus dem Stadtmarketing stammende Idee der Kooperationen zwischen
kommunalen und privaten Akteuren deutlich. Zentrale Bedeutung kommt deshalb der Frage zu, welche
Ursachen die Stadt-Umlandwanderung von Haushalten hat und welche Möglichkeiten
es in innerstädtischen Wohnquartieren gibt, diese zu reduzieren. Eine
Methode, die in der Vergangenheit in verschiedenen Städten angewandt
wurde, ist die Befragung von ins Umland abgewanderten Haushalten nach
den Gründen, warum sie die innerstädtischen Quartiere zugunsten des
Umlandes verlassen haben. Aus den Aussagen der abgewanderten Haushalte
lassen sich dann Handlungsfelder für eine Strategie zur Verringerung
der Stadt-Umland-Wanderung ziehen. Durch die Analyse verschiedener Untersuchungen kann
versucht werden, Aussagen auf einer breiten Datenbasis über das Wesen
der Wohnsuburbanisierung zu treffen. Im Folgenden wurden Wanderungsumfragen
der Städte Dortmund, Essen, Frankfurt, Hagen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe,
Leverkusen, München, Münster und Stuttgart betrachtet, um hieraus
Handlungsfelder für eine Strategie gegen die Suburbanisierung zu ziehen.
(Bei den untersuchten Städten handelt es sich ausschließlich um westdeutsche
Kommunen. Da der ostdeutsche Suburbanisierungsprozess durch eine Vielzahl
an Besonderheiten geprägt ist[6],
die nur am Rande mit den Wohnpräferenzen der Haushalte im Zusammenhang
stehen, sondern Gründe wie u.a. die finanzpolitischen Rahmenbedingungen
umfassen, müssten die Motive der Haushalte im ostdeutschen Suburbanisierungsprozesses
einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.) Ein direkter Vergleich der in den einzelnen Städten
durchgeführten Umfragen ist aufgrund des unterschiedlichen Untersuchungsdesigns
nur bedingt möglich. Trotzdem kann man feststellen: Klassische Bilder
und Motive des typischen Suburbanisierungshaushaltes lassen sich nicht
bestätigen (vgl. hierzu auch die Analysen von Heitkamp[7]
und Ismaier[8],
die zu ähnlichen Ergebnissen kommen). Zunächst zur Struktur der abgewanderten Haushalte
(s. Abbildung): In allen untersuchten Städten verlassen überwiegend
Ein- und Zweipersonenhaushalte die Stadt. Drei-Personenhaushalte oder
gar vier und mehr Personenhaushalte machten in der Regel nur einen
geringeren Anteil an den Umlandwanderern aus. Das Alter und das Einkommen
der abwandernden Haushalte ist sehr heterogen. Keinesfalls nur einkommensstärkere
Haushalte oder nur Haushalte in der Familiengründungsphase verlassen
die Kernstädte. Vielmehr wandern unterschiedlichste Haushaltsgruppen
ins Umland ab. Die Suburbanisierung stellt sich in den meisten untersuchten
Städten häufig als ein Umzug in gemietete Geschosswohnungen dar (s.
folgende Abb.). Das Einfamilienhaus im Umland, lange Zeit Symbol der
Suburbanisierung, wird meist weniger oft nachgefragt als verdichtete
Wohnformen im Geschosswohnungsbau. Nur in den eher ländlich geprägten
Umlandgemeinen von Münster und Hannover ist der Anteil der Haushalte,
die ins Einfamilienhaus bzw. ins Doppel- oder Reihenhaus ziehen, größer.
Offen ist allerdings, inwieweit die Geschosswohnungen im Umland nur
als Sprungbrett für den späteren Erwerb eines Ein- oder
Zweifamilienhauses am gleichen Standort dienen. Was sind letztlich die Gründe, warum die Haushalte
die Kernstadt in Richtung Umland verlassen? Diese Frage bildet ein
wichtiges Element jeder Wanderungsuntersuchung. Nachfolgend sind die
5 wichtigsten von den Haushalten genannten Gründe in verschiedenen
Städten dargestellt. Angesichts des unterschiedlichen Untersuchungsdesigns
und der verschiedenen Antwortkategorien lassen sich die Antworten
in den unterschiedlichen Städten nur teilweise miteinander vergleichen.
Trotz dieser Einschränkungen lassen sich aus den Untersuchungen einige
verallgemeinerbare Aussagen ziehen. Zusammenfassend lasst sich feststellen: Struktur
und Motivlagen der Stadt-Umlandwanderer sind komplex. Um die Wohnsuburbanisierung
reduzieren zu können, sind demnach Konzepte mit unterschiedlichen
Maßnahmen notwendig. Ziel solcher Konzepte kann nicht die Übertragung
von suburbanen Wohnverhältnissen durch eine hektische Ausweisung von
Bauland für Eigenheime in kernstädtischen Lagen sein, da die Betrachtung
der Wohnformen nach dem Umzug gezeigt hat, dass viele Haushalte in
den Geschosswohnungsbau ziehen. Vielmehr muss ein Konzept zur Reduzierung
der Wohnsuburbanisierung aus unterschiedlichen, von den Wanderungsmotiven
der Haushalte abgeleiteten Handlungsfeldern bestehen. Aus der Analyse
der Wanderungsuntersuchungen ergeben sich als wesentliche Handlungsfelder[9]:
Im Folgenden sollen nun anhand dieser Handlungsfelder
Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie im Rahmen der neuen Strategie
des Wohnstandortmarketings konkrete Kooperationen zwischen kommunalen
Akteuren und Wohnungsanbietern aussehen können, mit denen innerstädtische
Quartiere für den Konkurrenzkampf mit dem Umland fit gemacht
werden können. In durch Angebotsüberhänge gekennzeichneten Wohnungsmärkten
werden sich nur noch Wohnungen am Markt behaupten können, die über
eine entsprechende Wohnungsqualität verfügen. Um feststellen zu können,
was unter Wohnungsqualität verstanden wird und um künftig
zielgenau Wohnungen anbieten zu können, benötigen Wohnungswirtschaft
und Kommunen exakte und aktuelle Informationen über die Wohnwünsche
der Nachfrager. Ein Ansatzpunkt hierzu sind die Wohnungsmarktbeobachtungen,
die mittlerweile in verschiedenen Städten bereits durchgeführt werden.
Denkbar und wünschenswert ist künftig eine stärkere Beteiligung der
Wohnungsanbieter. Möglich wäre eine Abstimmung und eine gemeinsame
Auswertung unter dem Gesichtspunkt Wohnungsqualität von
Daten der Wohnungswirtschaft (z.B. Daten, die im Rahmen von Mieterbefragungen
erhoben wurden) und der Kommune (z.B. Daten von Bürgerumfragen). Da
Wohnungsanbieter und Kommune von den Ergebnissen profitieren können,
ist eine Umsetzung der Wohnungsmarktbeobachtung im Rahmen öffentlich-privater
Finanzierungsmodelle zu prüfen. Städtische Wohnumfelder haben im Vergleich zu ländlichen
Räumen meist ökologische Defizite. Ansatzpunkt kann jedoch nicht die
Übertragung der Umweltqualitäten ländlicher oder suburbaner Räume
auf städtische Quartiere sein, vielmehr geht es um eine bessere Nutzung
der meist auch in innerstädtischen Quartieren vorhandenen Umweltqualitäten.
Auch hierbei gibt es Kooperationsmöglichkeiten zwischen städtischen
Akteuren und Wohnungsunternehmen bzw. Einzelanbietern. So können beispielsweise
private, nur wenig genutzte Grünflächen über Nutzungsvereinbarungen
zwischen Kommunen und Eigentümer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
werden, eine Aufwertung bestehender Grünflächen könnte von der Stadt,
die dauerhafte Pflege der Fläche durch die Übernahme von Grünflächenpatenschaften
dann durch die Wohnungsanbieter erfolgen. Zahlreiche große Wohnungsunternehmen
haben in Großwohnsiedlungen bereits ihr Engagement für das Wohnumfeld
demonstriert (z.B. durch Bepflanzungsaktionen, Grünflächenaufwertung
oder dem Anlegen von Mietergärten[10]).
Aufgabe der Kommune sollte es nun sein, auch kleinere Wohnungsanbieter
in innerstädtischen Lagen von der wichtigen Rolle des Wohnumfelds
für die gesamt Wohnsituation und auch für die Vermietbarkeit ihrer
Wohnungen zu überzeugen und letztlich zu privatem Engagement zu bewegen. Im Vergleich zur Eigentumsbildung in neugebauten
Ein- und Zweifamilienhäusern im Umland, die von Organisationen wie
den Bausparkassen immer wieder durch verschiedene Werbekampagnen unterstützt
wird, hat die Eigentumsbildung im innerstädtischen Bestand keine vergleichbare
Lobby. Denkbar wäre eine kommunale Unterstützung von Wohnungsunternehmen
bei der Privatisierung von Wohnungen. Kommunen könnten speziell auf
potenzielle Bestandserwerber zugeschnittene Förderinformationen oder
Beratungsmöglichkeiten anbieten, im Gegenzug verpflichten sich die
Wohnungsunternehmen auf die Durchführung einer sozialverantwortlichen
Wohnungsprivatisierung, die z.B. Elemente wie den Verkauf der Wohnungen
möglichst an die Mieter des Hauses, soziale Betreuung während der
Privatisierung, Wohnungstauschmöglichkeiten und die Betreuung auch
der kaufunwilligen Mieter umfassen kann. Im Endeffekt geht es darum, Haushalten in der Eigentumsbildungsphase
die Möglichkeiten des Bestandserwerbs in innerstädtischen Quartieren
aufzuzeigen, aber auch darum, einer Verdrängung der Mieterhaushalte
aus den Quartieren entgegenzutreten. Im Vergleich zum Image des Wohnstandorts Suburbaner
Raum ist das Image innerstädtischer Quartiere für viele Nachfrager
negativ geprägt. Denkbar ist eine Imagekampagne für das innerstädtischen
Wohnen in der Etage. Ansatzpunkte hierfür können die Darstellung
der besonderen Eigenschaften urbanen Wohnens (z.B. hohe Decke in Altbauten)
und des Flairs der Wohnungen im Vergleich zum meist gleichförmigen
Wohnungsneubau im Umland sein. Zur Umsetzung sind klassische kommunikationspolitische
Marketing-Instrumente wie z.B. Printwerbung denkbar. Insbesondere
die Wohnungswirtschaft kann von einer positiven Darstellung ihrer
Wohnungsbestände profitieren, insofern sollten auch in diesem Handlungsfeld
Kommunen und Wohnungsanbieter die Umsetzung der Maßnahme gemeinsam
vorantreiben. Am Beispiel der bildungsbezogenen Infrastruktur lässt
sich aufzeigen, wie eine Kooperation zwischen den unterschiedlichen
Akteuren im Handlungsfeld Infrastrukturelles Angebot gestaltet werden
kann. Gute Schulen sind ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt.
Oft wird diesem Standortfaktor aber nicht die entsprechende Bedeutung
zugemessen. Neben der Qualität des Unterrichts, die gerade in innerstädtischen
Quartieren im Vergleich zu Umlandschulen aufgrund der sozialen Strukturen
teilweise nur schwer sichergestellt werden kann, kommt auch dem baulichen
Zustand der Schulen eine wichtige Bedeutung zu. Den Wohnungsanbietern
muss verdeutlicht werden, dass attraktive Schulen in der Umgebung
ihrer Wohnungsbestände von Vorteil sind. Kooperationen, in denen sich
Wohnungsanbieter für Schulen
in innerstädtischen Quartieren engagieren, können z.B. die Präsenz
und das Sponsoring von Schulfesten oder das Anbieten von Praktikumsplätzen
für Schülerpraktika im Unternehmen sein. Neben den Schulen können
in diesem Zusammenhang unter Bildungseinrichtungen auch Einrichtungen
der Erwachsenenbildung oder spezielle Bildungsangebote für bestimmte
Zielgruppen (z.B. Ausländer) verstanden werden. Die Umsetzung der Maßnahmen des Wohnstandortmarketings
kann sich an der verwandten Strategie des Stadtmarketings orientieren.
Zwar bezieht sich Stadtmarketing meist auf die gesamte Stadt (oder
als Citymarketing nur auf die zentralen Einkaufsstraßen einer Stadt)
und der Bereich Wohnen spielt in der Praxis vieler Stadtmarketing-Verfahren
im Vergleich zu Einzelhandel oder Tourismus nur eine geringe Rolle[11].
Übertragbar sind jedoch Verfahrenselemente und Institutionalisierungsmöglichkeiten
der im Stadtmarketing durchgeführten PPPs (Public Private Partnerships).
Trägerformen des Stadtmarketings sind u.a. eingetragene Vereine (e.V.),
Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) oder auch informelle
Arbeitskreise/Runde Tische. Prinzipiell scheinen die Erfahrungen,
die im Rahmen von Stadtmarketing mit den unterschiedlichen Trägerformen
gemacht wurden[12]
auch auf Wohnstandortmarketingverfahren übertragbar zu sein. Die Trägerform
des einzelnen Wohnstandortmarketings sollte je nach der speziellen
Situation vor Ort ausgewählt werden. Unabhängig von der Trägerform
muss die Finanzierung sichergestellt sein. Aufgrund der allgemein
desolaten Situation kommunaler Haushalte und der konkreten, auch geldwerten
Vorteile die private Akteure von den Maßnahmen haben, erscheint eine
Teilfinanzierung des Wohnstandortmarketings durch die Wohnungsanbieter
sinnvoll. Folgende Möglichkeiten bieten sich dabei an: Vorteilhaft ist in jedem Fall eine Anschubfinanzierung
durch die öffentliche Hand, der dann die Akquisition privater Gelder
folgt. Im späteren Verlauf sind dann auch Einnahmen des Wohnstandortmarketings
z.B. im Rahmen von Beratungstätigkeiten denkbar. Mit Leerstandsquoten von teilweise mehr als 20% in
einigen ostdeutschen Städten und einer wohl künftig großteils schrumpfenden
Bevölkerung wird der Rückbau auch in Zukunft eines der zentralen Themen
in der Wohnungspolitik in Ostdeutschland sein. Doch Abrisse allein
werden die großen Probleme nicht lösen können. Deshalb ist ein weiteres
Handlungsfeld des Programms Stadtumbau-Ost die Stärkung
und Aufwertung innerstädtischer Altbauquartiere. Zentrale Themen sollen
hierbei die Eigentumsförderung im Bestand und die Modernisierung von
städtischen Wohnstandorten sein. Die Umsetzung des Stadtumbaus kann nur gelingen,
wenn kommunale Akteure und Wohnungsanbieter eng zusammenarbeiten.
Beim Rückbau von Wohnungen wurde die Zusammenarbeit der unterschiedlichen
Akteure bereits vielfach angesprochen und verschiedene Lösungsvorschläge
für die auftretenden Probleme (z.B. das Problem, dass Marktbereinigungen
grundsätzlich allen Wohnungsanbietern, also auch denen, die sich nicht
am Rückbau beteiligen, zu Gute kommen) erarbeitet[13].
Die Kooperationen und Abstimmungen beim zweiten wichtigen Teil des
Stadtumbau-Konzepts wurden bislang eher selten thematisiert, sicherlich
auch aufgrund des geringeren Konfliktpotenzials. Das Wohnstandortmarketing
zeigt auf, dass auch bei Aufwertungsmaßnahmen Kooperationen sinnvoll
und möglich sind und wie Aspekte der Finanzierung durch PPP sowie
die Orientierung an den Nachfragern gestaltet werden können. Auch in den alten Ländern wird angesichts ähnlicher
Probleme, die sich in einzelnen Regionen bereits jetzt in abgeschwächter
Form abzeichnen, über einen westdeutschen Stadtumbau nachgedacht[14].
Angesichts der im Vergleich zu Ostdeutschland geringen Leerstandsquoten
sowie der anderen Rahmenbedingungen ist davon auszugehen, dass sich
der Stadtumbau-West wohl weniger mit dem Thema Rückbau und dafür mehr
mit der Attraktivitätssteigerung städtischer Wohnstandorte beschäftigen
wird. Auch hier wird der Erfolg davon abhängen, wie und ob kommunale
Akteure und die Wohnungsanbieter kooperieren. Das Wohnstandortmarketing
mit seinem auf Kooperation und auf Nachfragerorientierung ausgelegten
Ansatz bietet sich hierfür als Strategie an. Es kann präventiv durch
Nahwanderungen bedingten Bevölkerungsverlusten entgegentreten und
zur Stärkung städtischer Wohnstandorte beitragen. Natürlich kann mit Maßnahmen der Stadtplanung wie
dem Wohnstandortmarketing keine vollständige Umkehr der Suburbanisierung
bewirkt werden. Aber: Man muss akzeptieren, dass Maßnahmen in verschiedenen
Handlungsfeldern notwendig sind, um Stadt-Umlandwanderung zu reduzieren.
Bislang bestanden von kommunaler Seite die Maßnahmen gegen Wohnsuburbanisierung
in erster Linie in der Ausweisung von Baugebieten in Form von Ein-Familienhäusern.
Dass diese Strategie zu einer verstärkten Zersiedlung führt und unter
Umständen auch die letzten städtischen Grün- und Freiflächen zerstört,
ist nur ein Aspekt. Die Analyse der Wanderungsmotive zeigte darüber
hinaus, dass ein Großteil der Umlandwanderer nicht in das Familienheim
zieht, sondern Wohnformen im Geschosswohnungsbau und zur Miete Hauptziele
der Umlandwanderer sind. Mit der Strategie des Wohnstandortmarketings
wurde ein Ansatz entwickelt, der im Vergleich zur Neuausweisung von
Baugebieten mit geringerem Aufwand realisierbar ist und durch öffentlich-private
Partnerschaften auch mit engen finanziellen Mitteln umsetzbar scheint.
Die Wirksamkeit hängt dabei in hohem Maß von der Beteiligung der Wohnungsanbieter
ab. Nur bei einer ausreichenden Kooperation mit Wohnungsunternehmen
und den Einzeleigentümern lassen sich entscheidende Faktoren wie z.B.
Bestandsveränderungen realisieren. Das Thema des Wohnstandortmarketings
wird angesichts der absehbaren negativen Bevölkerungsentwicklung an
Bedeutung gewinnen. In entspannten Wohnungsmärkten, die für breite
Bevölkerungsschichten mit einem größeren Wohnungsangebot einhergehen,
müssen sich städtische Quartiere stärker an den Interessen der Nachfrager
ausrichten und ihre Qualitäten als Wohnstandort besser kommunizieren.
Nur so wird es gelingen, innerstädtische Wohnstandorte neben dem suburbanen
Raum als attraktive Wohnorte profilieren zu können. Der Beitrag entstand auf Grundlage der Diplomarbeit
Wohnstandortmarketing Strategie zur Bestandsaufwertung
und sozialen Stabilisierung innerstädtischer Wohnquartiere dargestellt
am Beispiel Düsseldorf Flingern-Süd an der Fakultät Raumplanung,
Universität Dortmund, 2002. Florian Koch arbeitet am Institut für
Stadtforschung und Strukturpolitik (IfS), Berlin. (florian.koch@gmx.net)
[1] Vesper, M.
(2002): Neue Herausforderungen annehmen. In: ILS (Hrsg.): Zukunftsentwürfe
für Wohnungsmarktregionen in NRW. Dortmund. [2] Bundesministerium
für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) 2001: Wohnungswirtschaftlicher
Strukturwandel in den neuen Bundesländern Bericht der Kommission.
Berlin [3] vgl. Eichstädt-Bohlig,
F. (2002): Stadtumbau und soziale Stadt. In: Planerin 02 01: 13-15 [4] Heitkamp, T.
(2002): Motivlagen der Stadt-Umland-Wanderung und Tendenzen der
zukünftigen Wohnungsnachfrage. In: Informationen zur Raumentwicklung
Heft 3.02: 4 [5] So machen z.B.
die Nahwanderungen am gesamten Bevölkerungsverlust in Halle (Saale)
25% aus(Fernwanderungen: 62%, natürliche Bevölkerungsentwicklung:
13% (Quelle: Stadt Halle 2002: Wohnungsmarkt Halle/ Saale. Datenband
des Wohnungsmarktbeobachtungssystems. Halle), in Essen liegt der
Anteil der Wanderungen am Gesamtbevölkerungsverlust bei 62%, etwas
mehr als die Hälfte davon sind Wanderungen in die Nachbargemeinden
und ins Umland (Quelle: Stadt Essen 1999: Bevölkerungsbewegung,
Entwicklung und Ursachen, Wanderungsbewegungen. Essen). [6] vgl. Aring,
J.; Herfert, G. (2001): Neue Muster der Wohnsuburbanisierung. In:
Brake, K.; Dangschat, J.; Herfert, G. (Hrsg.): Suburbanisierung
in Deutschland. Aktuelle Tendenzen. Opladen [7] Heitkamp, T.
(2002): Motive und Strukturen der Stadt-Umlandwanderung im interkommunalen
Vergleich. In: VhW Forum Wohneigentum 1/2 2002, 9-14 [8] Ismaier, F. (2002): Strukturen
und Motive der Stadt-Umlandwanderung. In: Schröter, F. (Hrsg.):
Städte im Spagat zwischen Wohnungsleerstand und Baulandmangel. Dortmund.
19-29 [9] Es wäre gesondert
zu prüfen, ob die Motivlagen bei ostdeutschen Stadt-Umlandwanderungen
ähnlich sind, oder ob angesichts der unterschiedlichen Rahmenbedingungen
und der unterschiedlichen Intensität von Seiten der Nachfrager andere
Ursachen eine Rolle spielen. [10] So hat z.B.
die Landesentwicklungsgesellschaft NRW in vielen Großwohnsiedlungen in NRW verschiedene Maßnahmen zur Wohnumfeldaufwertung
durchgeführt. Vgl. LEG Magazin 1/2003. Düsseldorf [11] vgl. Grabow,
B.; Hollbach-Grömig; B. (1996): Stadtmarketing eine kritische
Zwischenbilanz. Berlin [12] DSSW (1995):
Die Institutionalisierung von Stadtmarketing Praxisvarianten,
Erfahrungen, Fallbeispiele. Bonn [13]
BMVBW (Hrsg.: 2001): Stadtumbau in den neuen Ländern. Integrierte
wohnungswirtschaftliche und städtebauliche Konzepte zur Gestaltung
des Strukturwandelns auf dem Wohnungsmarkt der neuen Länder. Berlin [14] Die Erkenntnisse
des ExWoSt-Modellprojekts Stadtumbau-West werden hierzu
weitere Hinweise geben können. |
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| Dies ist
ein Dokument der Seite www.schrumpfende-stadt.de Erstelldatum: 19. Mai 2003 Autor: Florian Koch, Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik (IfS) |