Der neue Studiengang ‚urban management' an der Universität Leipzig

Ab kommendem Oktober (WS 2003/2004) bietet die Universität Leipzig den zweijährigen postgradualen Vollzeitstudiengang Master of Science in ‚urban management’ an. Inhaltlichen Schwerpunkt bildet die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem sich vor allem im Osten Deutschlands vollziehenden wirtschaftlichen und demografischen Strukturwandel und den daraus resultierenden aktuellen Anforderungen der Stadtentwicklung. Besondere Beachtung findet das Themenfeld des Stadtumbaus unter gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und im weitesten Sinne planerischen Rahmenbedingungen.

Ziel des Studienganges ist die systematische Einführung in die Grundlagen zeitgemäßer Stadtentwicklung und das Aufgabenfeld des Stadtumbaus. Dabei werden Kompetenzen und Fertigkeiten für den Umgang mit modernen Planungsinstrumenten und -techniken vermittelt, um den wirtschaftlichen und demografischen Strukturwandel zu erfassen und in der Planung und Projektierung berücksichtigen zu können. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Intention des Master of Science in ‚urban management’: Interdisziplinarität, Internationalität und Praxisbezug.

Stadtentwicklung ist nicht mehr bzw. nur noch in begrenztem Maße unter Wachstumsbedingungen zu betrachten. Es steht vielmehr die Bewältigung vielfältiger demografischer, ökonomischer und struktureller Schrumpfungsprozesse im Vordergrund. Deshalb ist Stadtumbau nicht eindimensional als planerische Aufgabe in Form von Städtebau und Architektur zu verstehen, sondern als Integration vieler Fachdisziplinen, die den Prozess steuern und positiv lenken müssen. Im Rahmen des Themenfeldes ‚urban management’ wird einerseits die Steuerung der Qualität städtischen Lebens, die sich in unterschiedlichen Funktionen und Nutzungen städtischer Räume und in der Intensität entsprechender funktionaler und raumstruktureller Angebote messen lässt, betrachtet. Andererseits geht die konkrete Auseinandersetzung mit der Gestaltqualität gebauter Umwelt und freier Landschaft ein. Durch die strategische Verknüpfung einzelner in der Praxis oft isolierter Handlungsfelder werden die Kenntnisse und Fähigkeiten der Studierenden vertieft, erweitert und mit den Managementprozessen unentbehrlicher Methoden der Projektplanung und -entwicklung, Organisation von komplexen Fragestellungen, Partizipations- bzw. Entscheidungsprozessen, Moderations- und Präsentationstechniken sowie der Vermittlung interdisziplinärer Kompetenz verknüpft.

In Zeiten wirtschaftlicher Globalisierung steigt der Bedarf an international ausgerichteten und international agierenden Bildungsangeboten. Darüber hinaus wird die Thematik der ‚schrumpfenden Stadt’ zukünftig kein rein ostdeutsches Problem sein, sondern ein gesamtdeutsches bzw. europäisches Problem, welches sich regional differenziert entwickeln und nicht flächendeckend auftreten wird. Diesen Entwicklungen sieht sich der Studiengang ‚urban management’ verpflichtet. Durch internationale Kooperationen, z.B. mit den Universitäten Warschau und Tirana, sollen Lösungsansätze generiert werden, wobei die zur Zeit „typisch ostdeutsche“ Problemlage diesbezüglich langfristig für betroffene Teilregionen beispielgebend sein kann.

Des weiteren ist das Studienangebot gemäß des europaweiten Leistungspunktesystems  ECTS aufgebaut und soll durch eine entsprechende Agentur akkreditiert werden. Dies impliziert auch die Möglichkeit für Studienteilnehmer, angloamerikanische Abschlüsse zu erlangen und nach einer Konsolidierungsphase des Studienprogramms eine zweisprachige Ausbildung wahrzunehmen. Eine Besonderheit stellt die angestrebte Akkreditierung durch die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) Deutschland dar. Diese international anerkannten Qualifizierungsmöglichkeiten sollen den Studenten den Weg in einen sich zunehmend internationalisierenden Arbeitsmarkt öffnen.

Der Stadtumbau, der den Umgang mit den entstehenden Konflikten aber auch Chancen fach- und ressortübergreifend umfasst, wird ein bedeutsames zukünftiges Handlungsfeld darstellen. Der Standort Leipzig bietet sich in diesem Prozess sowohl mit seinen Lehr-, Forschungs- und wissenschaftlichen Einrichtungen als auch mit seinen Akteuren aus der Praxis an, um wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie Erfahrungswerte zu vermitteln. Die Grundlagen werden überwiegend durch Hochschullehrer verschiedener Fakultäten der Universität Leipzig abgedeckt. Einzelne Fachthemen und fächerübergreifend praxisorientierte Projektelemente werden durch anerkannte Experten aus unterschiedlichen Branchen der Privatwirtschaft und öffentlichen Bedarfsträgern übernommen, die einen intensiven Praxisbezug gewährleisten.

Das Studium wird in didaktischer Hinsicht durch eine Kombination aus systematischer Wissensvermittlung und Projektbearbeitung bestimmt. Sowohl der Umgang mit dem Verhältnis Stadt und Umland, Zentrum und Peripherie auf raumordnerischer Ebene als auch die Beleuchtung der Spannbreite von Stadtentwicklungsaufgaben im stadthistorischen Kontext stehen im Vordergrund der Ausbildung.

Der Aufbau des Studiengangs ist modular. Er setzt sich aus sieben Modulen zusammen, die die übergeordneten Themengebiete Urbanistik & Baukultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Infrastruktur & Umwelt, Planen & Bauen, Verfahren & Instrumente sowie Recht beleuchten. Pro Semester werden jeweils 2 Module angeboten. Des weiteren stellt die Masterarbeit einen wesentlichen Bestandteil des Studiengangs dar.

Neben der Weiterbildung von in- und ausländischen Hochschulabsolventen der unterschiedlichsten Studienrichtungen, richtet sich das Studienangebot ausdrücklich an Mitarbeiter und Verantwortungsträger auf kommunaler Ebene und aus der Wirtschaft, die mit der Umsetzung des Stadtumbaus befasst sind. Sie können im Rahmen des Studienangebotes ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz erweitern und den anstehenden Planungsaufgaben anpassen, insbesondere da nach Aufbau und Konsolidierung des Programms das Studienangebot auch in Teilpräsenz wahrgenommen werden kann.

Weitere Informationen finden Sie unter www.uni-leipzig.de/ibbs/urban.html. Weitere Anfragen können Sie an info.stadtentwicklung@wifa.uni-leipzig.de richten.

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Dies ist ein Dokument der Seite www.schrumpfende-stadt.de
Erstelldatum: 19. Mai 2003
Autor: Silke Weidner