| Soziale
Stadt - Schrumpfende Stadt: Verflechtungsräume und Schnittstellen
Es wird Bilanz gezogen.
Zum einen liegen aus 16 Modellquartieren der Bundesländer erste
Erfahrungen und Erkenntnisse in
der Umsetzung des Bund-Länder-Programms Stadtteile mit besonderem
Entwicklungsbedarf die soziale Stadt vor.[1]
Zum andern beginnt derzeit eine breit angelegte bundesweite
Programmevaluierung, um Zielorientierung und Wirksamkeit dieses integrierten
Stadtentwicklungsansatzes zu untersuchen. Schon zeichnen sich Konturen ab. Der anspruchsvolle
Ansatz, nämlich einer drohenden sozialräumlichen Polarisierung und
Spaltung der Städte Einhalt zu bieten und eine nachhaltige Entwicklung
sicherzustellen, hat in den meisten Modellstädten zu einer Vielzahl
von integrierten Projekten geführt, die der Beseitigung von grundsätzlichen
und örtlichen Defiziten dienen sollen, die Hoffnung und Stabilität
schaffen sollen, die Kooperationsbeziehungen zwischen den Akteuren
vor Ort stärken sollen. Gleichzeitig haben die Programmziele so scheint
es die strukturelle Ebene von Politik und Verwaltung noch kaum
erreicht: tradiertes Ressortdenken dominiert nach wie vor das Verwaltungshandeln,
gebietsbezogene Modelle und Instrumente der Steuerung und Zusammenarbeit
bleiben auf Leitungsebene weithin in Absichtserklärungen stecken,
die Bündelung von Ressourcen beschränkt sich auf traditionelle Felder
und neue Förderprogramme. Diese Versäumnisse wirken um so schwerwiegender, als sich seit dem Start des Programms Soziale Stadt 1999 in
strukturschwachen Regionen, vor allem in den ostdeutschen Städten,
Probleme und Herausforderungen zugespitzt haben. Sozialräumliche Polarisierungen
werden durch die enorme Dynamik von Schrumpfungsprozessen überlagert
und verstärkt. Die Symptome sind bekannt: Wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher
Strukturwandel gehen einher mit Geburtenrückgang und Alterung der
Bevölkerung, Abwanderung und zunehmender Armut, sozialer und ethnischer
Segregation. Infrastruktureinrichtungen und Wohnungen stehen zunehmend
leer inzwischen wird der Leerstand auf 1,3 Mio Wohnungen beziffert
und in einigen Städten droht bereits die Verödung von Quartieren. Wohnungsunternehmen und private Vermieter
tragen hohe finanzielle
Risiken und Kommunen tun sich schwer, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen
und den Eigenanteil für Förderprogramme zu finanzieren. Seitdem das Bundeskabinett am 15. August 2001 das
Programm "Stadtumbau Ost - für lebenswerte Städte und attraktives
Wohnen" in Höhe von 1,1 Milliarden Euro - durch die neuen Länder
in gleicher Höhe kofinanziert -
beschlossen hat, werden damit die zentralen Handlungs- und Steuerungserfordernisse
mit zwei Förderprogrammen beantwortet: Soziale Stadt und
Stadtumbau Ost. Ihr notwendiges Zusammenwirken wurde bisher
jedoch kaum thematisiert und eingefordert.[2] Die Gleichzeitigkeit von sozialräumlicher Polarisierung
und der enormen Schrumpfung ostdeutscher Städte wirft Fragen auf hinsichtlich
der Zielrichtung des Programms Soziale Stadt und zur Verteilung
von Mitteln in der BRD, bzw. zur Gebietsauswahl in Ländern und Kommunen.
Auszugehen ist von andersartigen strukturellen Bedingungen
von Stadt, die Aktivitäten von Bürgern im Sinne kleinteiliger privater
Beträge zur Erneuerung von Lebensräumen begünstigen. Im Mittelpunkt
dieser Perspektive steht der Verflechtungsraum unterschiedlicher
Verflechtungsarten und Dimensionen (örtlich bis global) mit seiner
Bedeutung für die Stärkung lokaler Ökonomien. Der Raum der Sozialen Stadt wird damit
einerseits als materielle Grundlage für Produktion und Reproduktion
in den Mittelpunkt der Förderungen gerückt. Er wird andererseits,
hinsichtlich seiner stadtökonomischen und sozialen Bedeutung, als
immaterielle Basis für die Stärkung von Lebenswelten in Verhältnis
gesetzt zu den leistungsschwächer werdenden Systemwelten der öffentlichen
Haushalte. Diese perspektivische Verortung von Verflechtungsbeziehungen
entspricht der Dialektik der Trennungen von Raum und Zeit, die in
der spätindustriellen Entwicklung ihren Höhepunkt überschritten zu
haben scheint und Anzeichen gegenläufiger Bewegungen in dezentralen
räumlichen Veränderungen an einzelnen Orten, meist noch an den Stadträndern,
zeigt. Die Programme Soziale Stadt und Stadtumbau
Ost haben Schnittstellen in der notwendigen Bestimmung von Gebieten,
in denen die Erneuerung von Stadt materiell und immateriell gestützt
werden soll. Um die Mittel des Programms Soziale Stadt
(mit Aufforderungen für den nicht-investiven Maßnahmenbereich) und die
Mittel zum Stadtumbau Ost (mit Schwerpunkt in Rückbau
und vorbeugendem Ausgleich von Entwertung, d.h. im investiven Maßnahmenbereich)
im Sinne einer korrelierenden Steigerung beider Förderzielrichtungen
zusammenzuführen, ist es notwendig, hierfür Zeichen zu setzen und
geeignete Strategien für relevante Standorte mit dem Potential für
Initialzündungen aufzuzeigen. In der Bestimmung dieser Zeichen, Strategien und
Standorte ist grundsätzlich und neu innerhalb der Länder und Kommunen
zu überlegen, welche strukturellen Bedingungen von Stadt und welche
Kulturen in Zukunft Erneuerungsaktivitäten tragen können.
Die nun einsetzende Evaluierung von Zielvorgaben,
Wirksamkeit und Erfolgen des Bund-Länder-Programms Stadtteile
mit besonderem Entwicklungsbedarf die soziale Stadt hat
ihre förderrechtliche Grundlage in Art. 104a Abs.4 GG. Sie überprüft
das Leitziel der Förderung von Maßnahmen zur innovativen, nachhaltigen
Stadtentwicklung schwerpunktmäßig unter zwei Aspekten: -
Definition und Erfüllung der darin proklamierten
politischen Ziele, -
Übereinstimmung der Förderungsbedingungen
mit tatsächlichen Bedarfen und materiellen Bedingungen. Die Bestimmung und Erfüllung von politischen Zielen
hängt zu großen Teilen ab von den politischen Aktivitäten der Bürger,
bzw. von deren Befähigung zur Mitwirkung bei einer sozial, ökonomisch
und ökologisch ausgewogenen Entwicklung. Die Übereinstimmung von Förderungsbedingungen
mit tatsächlichen Bedarfen hängt ab von den Bedingungen des Lebens
in der Kommune, nicht zuletzt vom Stand der räumlichen Organisation
von Funktionen und ihren Auswirkungen auf die Beschaffenheit von Lebensbedingungen
im Alltag. Es geht darum, Lücken zwischen Lebenswelten und Systemwelten
zugunsten der Lebenswelten zu schließen.[3] Ein Aufdecken von tatsächlichen Bedürfnissen und
möglichen Bedarfen und eine Überprüfung vermeintlicher Zwänge und
tradierter Routinen von Politik und Verwaltung ist notwendig, um auch
und gerade die benachteiligten Gruppen der Bevölkerung zu ermutigen,
ein Empfinden für eine Qualität von Lebensbedingungen zu entwickeln
und auszudrücken.[4] Nur auf der Grundlage einer Hoffnung auf den Sinn
von Beiträgen zu solcher Qualität kann Verantwortungsübernahme wachsen.
Das Problem dabei ist: Viele Bürger und Politiker, auch diejenigen,
die es sich finanziell leisten könnten, haben den Blick verloren für
eine Qualität von Umwelt, die auch Lebensbedingungen ohne hohe Preise
für elitäre Enklaven (z. B. gated communities USA) oder
für immer weiter gesteigerte technische Ausrüstung (Standardisierung
des Wohnungsbaus) lebenswert macht. Dies ist ein generelles Problem
unserer Zeit zum Ende der industriellen Entwicklung. Es gibt eine
Gewöhnung an einen Wandel der Stadträume, der Flächen zum günstigsten
Preis nutzt, ohne in die Erneuerung zu investieren (die schrumpfende
Stadt, die wächst mit Vorbildern in der amerikanischen Stadtentwicklung
seit 1930), und der Bedingungen der Konzentration und Trennung von
Funktionen fortschreibt, ohne die aktuellen Tendenzen zur Mischung
von Nutzungen an dafür geeigneten Orten in geeigneter Weise zu fördern.[5] Die Überprüfung des Programms Soziale Stadt
und seiner Umsetzung betrifft drei Ebenen der involvierten Politikbereiche:
EU-Politik und Bund, Länder und Kommunen. Der inhaltliche Schwerpunkt
liegt bei der Überprüfung der Erfolge von Beiträgen zur Stärkung der
Erneuerung wirtschaftlicher Kräfte und sozialer Stabilität innerhalb
der Kommunen, als kleinsten Einheiten der Systemwelten
von Politik und Planung. Forschungsrelevante Fragen betreffen folgende Aspekte: In welchem Verhältnis steht die Verteilung von Maßnahmen
pro Ländern zu den Zielen der Förderung, wenn diese zugunsten einer
stärkeren Transparenz der Politik und einer veränderten Bewertung
materieller Bedingungen neu definiert werden? Insbesondere: Gibt es
einen verstärkten Förderungsbedarf in den neuen Bundesländern, der
nicht nur infolge anderer Problemlagen, sondern auch infolge andersartiger,
höherwertiger Potentiale für innovative Veränderungen entsteht und
bundes- sowie EU-weit von Bedeutung ist? Was bedeutet dies für die
quantitative Verteilung von Mitteln bzw. förderungswürdigen Maßnahmen
in der BRD? Welche Kriterien für die Förderung sind bisher und
zukünftig relevant? Gibt es länderspezifische Kriterien und Verfahren?
Können Gemeinden / Maßnahmen aus dem Programm entlassen
werden? Welche müssen neu dazu genommen werden? Wie wird die Abgrenzung
von förderungsrelevanten Stadtteilen innerhalb der Kommunen bestimmt?
Sind weiterhin die beiden Typologien von Altstadtquartieren und peripheren
Lagen von gleicher Bedeutung? Wie verhalten sich die Förderungsgebiete
zu den Entwicklungskonzepten der Kommunen? Stehen die Rückbau-Konzepte
der Kommunen in Ostdeutschland in Übereinstimmung mit der Auswahl
förderungswürdiger Gebiete? Welche Erfolge und Misserfolge des Programms gibt
es? Woran werden sie gemessen? Sind die Länder und Kommunen zu einer
ehrlichen Kritik der herrschenden Politik und der Förderungs-Bedingungen
für die Stadterneuerung bereit? Sind die Länder bereit zu gemeinsamen
Abstimmungen über eventuelle neue Förderungsprioritäten, die in den
Zielen des Programms angelegt sind, aber erst durch aktuelle Prozesse
der Entwicklung (z. B. von Leerstand und Abwanderung in Ostdeutschland)
in ihrer besonderen Brisanz offenbar werden? Der durchschnittliche Kostenrahmen pro Maßnahme und/oder
Gemeinde auf Bundesebene und Landesebene schwankt zwischen 65.000
und 600.000 Euro pro Jahr und Land. Da die Maßnahmen innerhalb eines
Landes nicht alle gleich sind, kann es auf Landesebene weitere signifikante
Unterschiede zwischen den Projekten geben. Wie lassen sich Unterschiede
begründen, und wie sind die Förderhöhen zu den unterschiedlichen Inhalten
der Maßnahmen ins Verhältnis zu setzen? Im Rahmen der Evaluierung eines so vielschichtigen
Programms geht es nicht um den Aspekt der potentiellen Einsparung,
sondern um eine Optimierung der Förderungsbedingungen zugunsten der
Ziele. In welchem Verhältnis steht die Vergabe von Mitteln
zu den jeweiligen tatsächlichen Inhalten der Förderung? Welche Maßnahmen
in welchen Lagen erhalten Priorität? Sind Neugewichtungen notwendig?
Wie sind vorhandene Erfahrungen mit dem Verfall und
der Erneuerung von Stadtteilen in Europa zugänglich zu machen und
für das Programm zu nutzen? Welche Akteure der internationalen Vernetzung
können zusätzlich aktiviert werden? Welche Rolle können Hochschulen
oder auch Schulen dabei übernehmen? Welche Lernprozesse stehen an?
Wie funktioniert die Vernetzung auf Landesebene (Arbeitsgemeinschaften
etc.), auf Gemeindeebene (falls mehrere Maßnahmen vorhanden) und zwischen
den Programmbegleitungen der Modellgebiete? In welchem Verhältnis steht die Auswahl der Modellgebiete
der Bundesländer zu generellen Zielen im Programm Soziale Stadt?
Inwieweit können die Modellgebiete als typisch für die Problemlage
in den jeweiligen Ländern gelten? Welche Rolle spielt die fachspezifische
Ausrichtung der Programmbegleitung für die Durchführung in
den Modellgebieten? Auf welchen Ebenen und mit welchen Mitteln ist eine
Aktivierung von Bürgern im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zu erreichen?
Welche neuen (selbsttragenden) Vor-Ort-Strukturen sind vorhanden,
und wodurch lässt sich deren langfristige Tragfähigkeit gewährleisten?
Wie sind neues Bewusstsein und Vertrauen zwischen Politik und Bürgern
herzustellen und wie langfristig zu sichern? Angesichts der Ausgangssituation
des in vernachlässigten Gebieten oft zum Erliegen gekommenen politischen
Lebens ist an Hand typischer Fälle (auf der Bandbreite von best
practice und bad practice) zu untersuchen, ob und
ggf. durch welche der angebotenen typischen Maßnahmen wieder ein selbständiges
Gemeinwesen entstanden ist bzw. wann nicht. Der Einsatz von Städtebaufördermitteln setzt
dies gilt auch für das Programm Soziale Stadt auf
Basis verschiedener Indikatoren eine Begrenzung der Gebiete voraus,
wobei derzeit eine Konzentration auf zwei Quartierstypen stattfindet:
auf gründerzeitliche und altindustrielle Altbauquartiere sowie Neubausiedlungen
der 60er- bis 80er-Jahre. Gleichzeitig erweist sich jedoch die Sicht
auf die Gesamtstadt und die Fokussierung auf räumliche und zeitliche
Verflechtungen als unabdingbar: auf die Verflechtungsräume zur Stärkung
der lokalen Ökonomie und die im Kontext des Stadtumbaus sich herausbildenden
Quartiere auf Zeit. Die Überprüfung der Kriterien der Förderungsfähigkeit
zugunsten einer innovativen, nachhaltigen Stadtentwicklung
sollte vorhandene und gewünschte Tendenzen der dezentralen Herausbildung
neuer Nutzungsmischungen an dafür geeigneten Orten sowie neue Raumbedarfe
berücksichtigen. Sie sollte darauf zielen, wirtschaftlich benachteiligte
Gruppen der Bevölkerung an diesen Tendenzen der Bodennutzung in einer
für sie geeigneten und leistbaren Weise teilhaben zu lassen und ihnen
bereits vorhandene und mögliche neue Verflechtungsräume
als materielle Basis für den Aufbau lokaler Ökonomien mittels
flankierender Maßnahmen der Boden- und Wohnungspolitik -
zu erschließen. Mit der Umsetzung des Bund-Länder-Programms Stadtumbau-Ost
entwickelt sich auch
wie in Schwedt/Oder - ein neuer Quartierstypus: das temporäre
Quartier, der Stadtteil auf Zeit. Hier finden
nach und nach Abrisse statt und löst sich das soziale Gefüge auf,
ziehen Bewohner aus und um oder warten auf eine Wohnung. Schulen und
Kitas werden geschlossen. Die Umsetzung der Stadtumbaukonzepte nimmt
mehrere Jahre in Anspruch. Quartiere, in denen ein flächenhafter Abriss
stattfindet, befinden sich in einer unausweichlichen Abwärtsspirale,
die dennoch mit positiven Impulsen gestaltet werden muss, um Stadtteilleben
aufrechtzuerhalten und die Integration in die Gesamtstadt zu ermöglichen.
Hier sollte das Bund-Länder-Programm Soziale
Stadt Unterstützung bieten: durch temporäre Projekte,
durch Stabilisierung von Institutionen und Personen, den Aufbau von
Beteiligungsstrukturen, durch Stadtteilmanagement. Auch wenn die Programmphilosophie
der Sozialen Stadt im
eigentlichen Sinne - Stabilisierung, Aufwärtsentwicklung, Wiederherstellung
eines Gemeinwesens, selbsttragenden Strukturen in Teilbereichen
aufgrund flächenhafter Abrisse nicht umgesetzt werden wird, so geht
es darum, die Gleichzeitigkeit von Rückbau und sozialem Ausgleich
zu organisieren. Der investiv orientierte Stadtumbau
benötigt die spezifische Integrations- und Kommunikationsfunktion
der Sozialen Stadt. Dies bedeutet u. a. eine kritische Überprüfung der
bisherigen beiden Kategorien zur grundsätzlichen Charakteristik von
förderungswürdigen Gebieten (Innerstädtische oder innenstadtnahe
(oft gründerzeitliche) Quartiere in benachteiligten Regionen mit nicht
modernisierter Bausubstanz und deutlich unterdurchschnittlicher Umweltqualität
sowie Große Wohnsiedlungen aus der Nachkriegszeit und Wohnsiedlungen
der abgezogenen Streitkräfte mit wenig individueller Architektur,
fehlender Nutzungsmischung und unzureichender sozialer Infrastruktur)
unter Berücksichtigung örtlicher Besonderheiten zugunsten der Stärkung
von Verflechtungsräumen. Die beiden genannten Kategorien betreffen jeweils
Teilmärkte des massenhaft erstellten Wohnungsbaus. Von Bedeutung für
die weitergehende Berücksichtigung ist jedoch nicht allein der Zustand
von Bausubstanz und technischer Ausstattung, sondern die Veränderbarkeit
der räumlichen Bedingungen innerhalb der Raumgefüge mit den jeweiligen
örtlich besonderen Potentialen für wandelnde Nachfragen an unterschiedlichen
Standorten innerhalb der Region. Periphere Standorte und Großsiedlungen
in Randlage, - meist zunehmend fragmentiert gelegen in Zwischenzonen
-, sind unter raumstrukturellen und lokal- sowie gesamtwirtschaftlichen
Aspekten verstärkt auf ihre Förderungswürdigkeit hin zu prüfen. Nutzungsmischungen
mit Geschäften und Dienstleistung in den Erdgeschossen und hohe Stabilität
der Wohnbevölkerung sind jedoch auch in diesen Lagen als Merkmale
der Förderungswürdigkeit weiterhin unbedingt anzuerkennen. Die Unterstützung des Erhaltes und des Aufbaus von
Verflechtungsräumen betrifft vor allem den Schutz privater
Räume für eine unbestimmte Vielfalt an Tätigkeiten, z. B. auch zu
Zwecken der Ausführung von Arbeit.[6]
Sie betrifft gleichermaßen die Stärkung öffentlicher Räume durch Offenhalten
von öffentlichen Räumen für Fremde sowie durch Regelung von Nutzung
und Gestaltung umgebender privater Flächen.[7] Soziales Handeln
und siedlungsstrukturelle Entwicklung gehen hier potentiell eng verbundene
Synthesen ein, die in den Ländern grundsätzlich geregelte rechtliche
Voraussetzungen und Interpretationsspielräume haben,[8]
deren raumstrukturelle Potentiale in Ostdeutschland jedoch einer besonderen
Ausleuchtung bedürfen.[9] Da Ostdeutschland für eine innovative Integration
von Freiräumen in Siedlungsräume richtungsweisend sein könnte, wäre
dieser Aspekt für eine Gewichtung der Verteilung von Mitteln im Bundesgebiet
unbedingt zu berücksichtigen. Maßnahmen mit der Perspektive von weniger
innovativem Wandel sollten demgegenüber einer verstärkten Begründung
im Kontext von Kommune und Bundesland bedürfen. Ostdeutsche Städte sind von Schrumpfungsprozessen besonders
stark betroffen und gelten als Pilotprojekte für den Wohnungsmarkt
der Zukunft. Noch bleibt offen, inwieweit sie diesem Anspruch
gerecht werden können. Da die
Lasten gesamtstädtischer Schrumpfungsprozesse in den Stadtteilen und
zwischen den Bewohnergruppen als Verluste und ungleich verteilt werden,
wird die Zukunft schrumpfender Städte in starkem Maße davon abhängen,
ob ein Interessenausgleich zwischen den Akteuren und ein Chancenausgleich
zwischen den Teilbereichen der Städte gelingt. Das
Programm heißt Soziale Stadt, nicht Soziale Stadtteile:
im Zusammenwirken der beiden Förderprogramme gilt
es die Programmziele einzulösen, auszuweiten und zu modifizieren. [1] vgl. Deutsches Institut für Urbanistik (Hrsg.):
Die Soziale Stadt. Eine erste Bilanz des Bund-Länder-Programms Stadtteile
mit besonderem Entwicklungsbedarf die soziale Stadt,
Berlin 2002 back [2] vgl. Beer,
I.: Stadtumbau und Soziale Stadt, in: Plattform Marzahn-Hellersdorf
im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, IV B Soziale
Stadt in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf,
Abteilung Ökologische Stadtentwicklung (Hrsg.): Stadtumbau als Impuls
für die Berliner Großsiedlungen, Dokumentation des Symposiums im
März 2002, S. 42 back [3] s. J. Friedmann
in seinen Beiträgen zu der Tagung Soziale Stadt, am
7. und 8. Mai 2002 in Berlin
back [4] vgl. Kunze,
Ronald (2000): Zwischen Abriß und Nachbesserung. Zur strategischen
Umsetzung von Projekten im Programm Stadtteile mit besonderem
Entwicklungsbedarf die soziale Stadt; in: Jahrbuch
Stadterneuerung 2000. Berlin
back [5] "Stadt-
und Ortskerne sind einem Gegenwind ausgesetzt, der kontinuierlich
ihr Fundament porös macht und Schritt für Schritt aushöhlt. Sie
sind indessen unverzichtbare Basis unserer politischen Struktur.
Ihre Potentiale zur Entfaltung zu bringen, ist Aufgabe politischer
Führung. Nur in einer multifunktionsfähigen Stadt können sich 'kreative'
Milieus entwickeln, die wir so dringend brauchen" (K. Ravens,
Präsident des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und
Raumordnung e.V., anlässlich der Jahrestagung 2002 des Verbandes
zum Thema Städte brauchen mehr als integrierte Entwicklungsprogramme:
Das strategische Umfeld von Wohnungs- und Städtebau am 7.-
9. Juli 2002 in Aachen)
back [6] s. Krätke,
S. (1995), Stadt Raum Ökonomie. Eine Einführung in aktuelle Problemfelder
der Stadtökonomie und Wirtschaftsgeographie. Stadtforschung aktuell.
Bd. 53. Basel. Boston. Berlin, S. 15 und s. Arendt, H. (1996), Vita
Activa oder Vom tätigen Leben, Clausen & Bosse, Leck, S. 79-81
back [7] s. Selle, K.
(2001), Öffentlicher Raum - von was ist die Rede? in: Jahrbuch Stadterneuerung
2001, Arbeitskreis Stadterneuerung an deutschsprachigen Hochschulen
zusammen mit dem Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen
Universität Berlin, Berlin, S. 21-34
back [8] s. Haase, A
(1999), Integration von Freiräumen im besiedelten Bereich - Welche
Leitmotive bieten Planungsrecht und Naturschutzgesetze der Länder?
In: RaumPlanung 84, März, S. 45-55
back [9] s. Haase, A. (2002) Urban structure
- Factor of Competitive Regional Economy and Inter-Communal Cooperation.
Contribution to the International Conference, in: Markowski, T., Marszal,
T. (Hrsg.), Polycentric Metropolitan Regions - New Concepts and Experiences,
Polish Academy of Sciences, Committee for Space Economy and Regional
Planning, S. 169-186
back |
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| Dies ist
ein Dokument der Seite www.schrumpfende-stadt.de Erstelldatum: 21. Februar 2003 Autor: Ingeborg Beer, Andrea Haase, Ronald Kunze und Erich Buhmann |